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Die jahrhundertelange britische Besetzung Irlands führte schrittweise zu einem Wechsel der Sprache vom Irischen zum Englischen. Dadurch wurden auch weitgehend die traditionellen irischen Lieder aus dem nationalen Gedächtnis gelöscht, denn mit dem Verlust des Verständnisses der irischen Texte verschwanden auch die Melodien. Diese Entwicklung hatte jedoch keinerlei Einfluss auf die irische Tanzmusik und den irischen Tanz, die von der Sprache unabhängig waren. War Musik bis zum Ende des 17. Jahrhunderts eine Angelegenheit des Hörens und sich Erinnerns, wurde im 18. Jahrhundert schließlich damit begonnen, die überaus reichhaltige irische Musiktradition in großem Umfang schriftlich niederzulegen, um sie zu verbreiten und zu erhalten. Die erste bekannte Sammlung irischer Tanzmusik als gedrucktes Werk "A Choice Collection of Country Dances" wurde um 1726 von John und William Neale in Dublin herausgegeben. An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert erschien "O'Farrell's Collection of National Irish Music for the Union Pipes", in dem ein Dudelsackspieler namens O'Farrell aus Clonmel unter anderem auch einige Tanzmelodien veröffentlichte. Das um 1810 von gleichen Autor verfasste "A Pocket Companion for the Irish or Union Pipes" enthielt neben anderen Melodien auch eine Vielzahl irischer Tänze, einschließlich der ältesten bekannten Version von "The Fox Chase". In den Jahren 1860 bis 1866 stellte der spätere Professor des Trinity College in Dublin James Goodman vier Bände einer Sammlung irischer Tanzmusik und weiterer alter Melodien zusammen. Viele der Tanzmelodien erhielt er von einem blinden Dudelsackspieler namens Thomas Kennedy aus Dingle.
Der größte Sammler traditioneller irischer Tanzmusik war jedoch Francis O'Neill. O'Neill wurde 1849 in Tralibane in West Cork geboren und wanderte später in die USA aus. In Chicago trat er 1873 der Polizei bei und wurde 1901 Chief Superintendent, also Polizeichef. Wegen seines phänomenalen Melodiegedächtnisses hatte er sich viele Musikstücke eingeprägt, die er während seiner Jugend in Irland kennengelernt hatte. Später entwickelte er sich zu einem begeisterten Sammler irischer Melodien. Doch obwohl er ein hervorragender Flöten- und Dudelsackspieler war, lernte er Zeit seines Lebens nicht das Notenlesen. So war es sein Kollege Sergeant James O'Neill, der übrigens nicht mit ihm verwand war, der die schwierige Aufgabe übernahm, die tausende von Melodien, die O'Neill im Kopf hatte, niederzuschreiben. 1903 erschien O'Neills erste Sammlung "O'Neill's Musik of Ireland". Sie enthielt 1850 Stücke, davon etwa 1100 Tanzmelodien. 1907 erschien mit "O'Neill's Dance Music of Ireland - 1001 Gems of Irish Melody" eine zweite Sammlung, die 1001 Tänze umfasste, zum größten Teil aus dem ersten Band übernommen, wobei Doppelungen beseitigt wurden, teilweise aber auch neue Stücke. Diese Sammlung wurde schnell zum Standardwerk der irischen Tanzmusik. 1910 erschien "Irish Folk Music: A Fascination Hobby", und 1913 "Irish Minstrels and Musicians", in dem weitere Tanzmelodien enthalten waren. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts erschienen "O'Neill's Irish Music" mit für Klavier arrangierten Stücken aus den ersten beiden Sammlungen und "Waifs and Strays of Gaelic Melody" mit Stücken aus alten Manuskripten, ebenfalls für Klavier arrangiert.
Seitdem hat sich die irische Musik stetig weiter entwickelt. Zu den alten Melodien kommen ständig neue hinzu, und die Arrangements ändern sich ständig. Begünstigt wurde dies vor allem durch die spezielle Form des gemeinsamen Musizierens - auf Sessions, in Pubs, auf Festivals, an der Straße, zu Hause, bei Freunden, wo Musiker ihre Stücke vortragen, so dass sie sich verbreiten und sich dabei auch verändern. Auf Urheberrechte legte man in Irland keinen Wert, Musik war ein allgemeines Volksgut. Diese Auffassung trug erheblich dazu bei, dass die irische Musik auch im 20. Jahrhundert alle Bereiche des Lebens in Irland durchdrang, da sie sich frei von juristischen Eigentumsfesseln entfalten und entwickeln konnte. Das änderte sich jedoch radikal, als die irische Rechteverwertungsgesellschaft Irish Music Rights Organisation (I.M.R.O.) am 21. Dezember 1998 mit An Comhaltas eine Vereinbarung unterschrieb, die die traditionelle irische Musik faktisch der juristischen und finanziellen Kontrolle der I.M.R.O. unterwarf und die Freiheit der irischen Musik beendete. Gesetzlich zementiert wurde das Ganze durch den Irish Copyright and Related Rights Act von 2000. Seitdem muss man darauf achten, wer wann welches Stück gespielt hat, und mit welcher Instrumentierung - und man muss dafür zahlen, wenn man es selbst in der Öffentlichkeit spielen will, auch wenn man ohne Bezahlung rein zum Spaß spielt. Zumindest theoretisch. Welche langfristigen Folgen der Sieg des Profitstrebens über die Freiheit der irischen Musik haben wird, ist auch und gerade im Bereich der Tanzmusik noch nicht abzusehen. Gerade auch die Musik der großen irischen Tanzshows, die inzwischen sehr beliebt geworden ist, ist ja von dieser Kommerzialisierung stark betroffen und wird argwönisch von den Urheberrechtsanwälten bewacht.

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Irish Dance, Irish Dancing, Irischer Tanz
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Letzte Änderung: 1. Januar 2007 - © Kunst des Denkens 2003-2007
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