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Musik

Entsprechend der zuerst mündlich überlieferten altirischen Geschichtstradition waren es die Tuatha de Danann, die im 18. oder 19. Jahrhundert v.u.Z. die Musik nach Irland brachten. In ihrer hochentwickelten Musikkultur wurden vor allem Harfe und Flöte verwendet. Dem Griechen Diodorus ist die erste schriftliche Erwähnung irischer Musik zu verdanken. In einem seiner Werke zitiert er den Geografen Hecateus von Miletus, wonach die Kelten Irlands religiöse Lieder singen, die mit melodiösem Harfenspiel begleitet werden. Musik war ein Kernbestandteil der alten keltischen Weltanschauung, denn ihre Harmonie galt als Vorbild der Perfektion. Dementsprechend eng war die Musik mit der Religion, Medizin und Rechtsprechung verwoben. Nicht zuletzt waren es Sänger, die die Geschichte weitergaben und die Gesetztradition bewahrten. Die hohe Bedeutung der Musik in der altirischen Gesellschaft wird besonders wieder in römischer Zeit deutlich. Während die Musik der Weltmacht Rom geradezu primitiv war, kannten die Iren bereits die Tonleiter, Harmonien und Kontrapunkt, verfügten also bereits über eine entwickelte Musiktheorie. Nach altirischer Tradition wurde die Musik in drei Kategorien eingeteilt, Goltraí ['goltri:] - traurige Musik, Suantraí ['suÉntri:] - Schlafmusik, und Geantraí ['Òantri:] - fröhliche Musik. Während davon ausgegangen werden kann, dass aus rituellen Gründen auch zur Goltraí getanzt wurde, dürfte die heute als solche verwendete irische Tanzmusik eher der Geantraí entstammen, die unter anderem für Volkstanz verwendet wurde.
Tin Whistles in D und Fis
Tin Whistles in D und Fis
Der älteste, mündlich überlieferte direkte Bezug auf eine Flöte oder Whistle, irisch Feadán ['fada:n], betrifft etwa die Zeit um 1600 v.u.Z., als Aileann, Chief der Tuatha de Danann, dieses Instrument verwendete. Der Whistlespieler oder Feadánaigh ['fada:ni:] findet sich danach in vielen überlieferten Beschreibungen irisch-keltischer Festivitäten über die Jahrhunderte. Die ersten Whistles bestanden aus Holz oder Knochen und verfügten nur über wenige Fingerlöcher und einen begrenzten Tonumfang. Die älteste noch erhaltene Whistle stammt aus dem 12. Jahrhundert. Sie besteht aus Knochen und hat nur zwei Fingerlöcher. Die heutige Tin Whistle oder Feadóg Stáin ['fado:g sta:n] besteht meist, entsprechend ihres Namens, aus Metall, hat sechs Fingerlöcher und ist traditionell in D-Dur gestimmt. Geübte Whistlespieler bewältigen damit einen Tonumfang von bis zu drei Oktaven. Auch Stimmungen von B-Dur bis G-Dur kommen vor. Trotz Baugleichheit werden die um eine Oktave tiefer gestimmten sehr großen Whistles zur Unterscheidung von den Tin Whistles als Low Wistle oder Feadóg Mhór ['fado:g vó:É] bezeichnet. Der Klang der Tin Whistle gehört auch heute fest zur unverwechselbaren Charakteristik irischer Musik, auch wenn die Whistle auf Tanzwettbewerben eher selten anzutreffen ist.
HarfeHarfeHarfe
Irische Harfen
Die Harfe oder Cruit [krit] ist neben der Whistle das älteste bekannte Musikinstrument, das von den Iren verwendet wurde. Der Harfenspieler oder Cruitire ['kritÉrÉ] war ein ständiger Begleiter jedes Clanchiefs und ein fester Bestandteil der irischen Gesellschaft. Die erste schriftliche Erwähnung einer altirischen Cruit datiert auf etwa 400 v.u.Z.. Weitere Erwähnungen finden sich 600 im "Amhran Coluim Cille" unter dem Namen Crott und 620 unter der Bezeichnung Cionnar Cruit, also Harfenlyra. Aus dem 9. Jahrhundert ist eine bildliche Darstellung einer Lyra auf einem Steinrelief in Carndonagh, County Donegal, erhalten. Aus dem 12. Jahrhundert stammt das Steinrelief einer dreieckigen Rahmenharfe beim Shrine of St. Meadoic, während in Kerry ein Relief einer geschwungenen Lyra aus dem 12. Jahrhundert gefunden wurde. Weiterhin gibt es eine irische Münze aus dem Jahre 1208, auf der eine Harfe abgebildet ist. Im Jahr 1534 wurde eine anglo-irische Münze mit dem Abbild einer Harfe geprägt. Das älteste bis heute erhaltene Instrument ist die sogenannte Brian Boru Harp, die jedoch nicht aus der Zeit Brian Borus um 1000, sondern von um 1400 stammt.
Die Cruit wurde, auf den Knien ruhend, selten auf dem Tisch liegend, zu Beginn mit den Fingern gezupft, später auch mit einem Bogen gespielt. Sie war relativ klein und aus Holz gefertigt. Die Cruit war viele Jahrhunderte im Gebrauch, bis im 14. Jahrhundert die größere Cláirseach ['klà:íÉx] dazu kam, die auch heute in modernisierter Form Verwendung findet. Die Cláirseach hatte 29 bis 58, im Mittel etwa 30 Saiten und galt als festliches Instrument der Edlen. Die Unterscheidung in Cruit und Cláirseach wird nicht nur mit der anderen Größe begründet, sondern teilweise auch so interpretiert, dass die Cruit mit Haar oder Darm bespannt war, während die Cláirseach Saiten aus Metalldraht hatte. Diese Interpretation ist jedoch umstritten.
Im Vergleich zu anderen Harfeninstrumenten ist die irische Harfe besonders robust. Der Resonanzraum besteht aus einem einteiligen ausgehöhlten Stück Weidenholz. Die Hauptsäule ist stabil und auswärts gebogen. Sie weist einen T-förmigen Querschnitt auf, wobei der Fuß des T nach innen zeigt. Der Hals ist tief und schwer und an jeder Seite mit einem Metallband befestigt. Die Saiten, die heute aus Messing bestehen, sind mit Metallstiften an der linken Seite des Halses befestigt, während das andere Ende um hölzerne Bolzen gewickelt ist, die sich innerhalb des Resonanzraumes befinden und zum Stimmen des Instrumentes dienen.
Traditionell wurde die Cláirseach mit extrem langen, krummen Fingernägeln gespielt. Während des 17. und 18. Jahrhunderts erlebte die Tradition des Harfenspiels jedoch aufgrund der Vernichtung des keltisch-irischen Adels einen stetigen Niedergang, was letztlich zum völligen und unwiederbringlichen Aussterben dieser Spielkunst führte. Das Harfenspiel wird seitdem bis heute nur noch von wenigen Musikern gepflegt, die eine moderne Zupftechnik ähnlich der in der klassischen Musik verwenden.
Im 5. Jahrhundert begannen christliche Mönche, die irische Musik in ganz Europa zu verbreiten. Besondere Berühmtheit als Musiklehrer erwarb dabei der aus Bangor im County Down stammende Mönch Cellach, ein Freund und Schüler von St. Columbanus. Das von ihm 612 in der Schweiz gegründete Kloster, das entsprechend der latinisierten und dann germanisierten Form seines Namens heute St. Gall heißt, war schon bald für seine musikalischen Lehren berühmt. Bis Ende des 7. und Anfang des 8. Jahrhunderts hatten irische Musikgelehrte, ebenfalls meist Mönche, einen starken Einfluss auf die mitteleuropäische Musikentwicklung erlangt. Neben der traditionellen Harfe und der ebenfalls altbekannten Whistle wurden inzwischen auch andere Instrumente verwendet. Bekannt waren damals auch schon einige heute ebenfalls als typisch irisch geltenden Instrumente, so der Dudelsack oder Cuislenna ['kislÉnÉ], deutlich unterschieden von den Pfeifen oder Pípai ['pi:paì], eventuell einer Panflöte, und die Geige oder Fidil ['fidÉl], ebenso aber verschiedene Hörner, Bennbuabhal ['benbuèvÉl] und Guthbuinne ['gu:binÉ] genannt, Trompeten, als Stoc [stók] und Sturgan ['stuÉgÉn] bezeichnet, eine Art Oboe oder Buinne ['binÉ], verschiedene Saiteninstrumente wie Psalterium, Nabla, Timpan, Kinnor, Trigonon und Ocht-Tedach, sowie verschiedene Becken, Craebh Ciúil [krav ku:l] und Crann Ciúil [kran ku:l] genannt, und Kastagnetten oder Cnámha ['kna:vÉ].
Uilleann Pipes
Uilleann Pipes
Der Dudelsack begann in dieser Zeit nur langsam, die in Irland traditionelle Harfe abzulösen. Erste bildliche Darstellungen sind aus dem 10 Jahrhundert - eine Dreifachpfeife auf einem Steinrelief in Clonmacnoise - und aus dem 11. Jahrhundert - auf einem Steinrelief bei Aonach Carman - erhalten. Zwar kam er bis zum 11. Jahrhundert auch im Rest Europas in größeren Gebrauch, aber nur bei den Kelten Irlands und Schottlands, sowie teilweise in Wales, Cornwall, der Bretagne und Asturien, wurde er zum Volksinstrument, zum Kulturträger und zur Kriegswaffe gleichermaßen. Zu Beginn handelte es sich um ein mundgeblasenes Instrument, bei dem auf einer Flöte, dem Chanter, die Melodie gespielt wurde, während ein, zwei oder später drei fest eingestellte Pfeifen, die Drones, einen unveränderlichen Begleitton abgaben. Als besondere irische Variante hatten sich jedoch die Uilleann Pipes oder Píob Uilleann [pi:b 'i:lin], auch Union Pipes genannt, entwickelt - ein Dudelsack mit Blasebalg, der mit dem Ellenbogen betrieben wurde, und bei dem die Melodie des Chanters durch einen Regulator begleitet wurde. Das war im Unterschied zu den Drones eine Tenorpfeife mit Tasten, die von der Unterseite einer Hand bedient werden konnten, während die Finger dieser Hand auf dem Chanter spielten. Bis Ende des 18. Jahrhunderts hatten sich die Uilleann Pipes zum technisch am höchsten entwickelten Dudelsack entwickelt, der jeweils über drei Drones und drei Regulators, je einmal Tenor, Bariton und Bass, verfügte, und damit zur Grundmelodie eine für ein Einzelinstrument relativ reiche Begleitung bieten konnte. Dieser relativ kleine und leichte, aber recht schwierig perfekt zu spielende Dudelsack wird bis heute in der irischen Musik am häufigsten verwendet. In seiner "Voyage through the Kingdom of Ireland" von 1681 schreibt Thomas Dineley, dass die irische Tanzmusik jener Zeit hauptsächlich von Dudelsack und Harfe, gelegentlich auch von Geige begleitet wurde. Bis zum 17. Jahrhundert hatte sich der Dudelsack, heute Píb Mhála [pi:b valÉ], also Sackpfeife, genannt, zum traditionellen Tanzmusikinstrument in Irland entwickelt, das in keinem Dorf und zu keiner Gelegenheit, sei es House Dance, Crossroad Dance oder Volksfest, fehlen durfte. Kein Wunder, dass die Tanzmeister des 18. und 19. Jahrhunderts immer einen Piper, also Pípaire ['pi:pÉrÉ] oder Cuisleannach ['kislÉnÉx] - beide Begriffe wurden inzwischen austauschbar verwendet - oder Píobaire ['pi:bÉrÉ], wie er heute genannt wird, bei sich hatten, der für die notwendige musikalische Begleitung des Tanzes zu sorgen hatte. Viele Dance Master beherrschten auch selbst das Dudelsackspiel.
Fiddle, VorderseiteFiddle, Rückseite
Violine, Geige oder Fiddle (Vorder- und Rückseite)
Die Violine oder Geige, englisch Fiddle, irisch Fidil ['fidÉl], wurde nachweislich schon am Ende des 7. Jahrhunderts in Cork verwendet und schien schon damals auf eine gewisse Tradition zurückzugehen. Wegen ihrer Variabilität wurde die Fiddle in den folgenden tausend Jahren neben dem Dudelsack zum wichtigsten Tanzmusikinstrument in ganz Irland. Besonders die Dance Master bevorzugten oftmals die Fiddle, denn sie konnten dieses Instrument sogar während des Tanzes selbst spielen. Damit war es ihnen möglich, Musik und Tanz genau wie gewünscht aufeinander abzustimmen - und natürlich konnten sie auf einen extra Geigenspieler oder Fidléir ['fidle:É]  verzichten. Diese Tradition hat sich bei einigen irischen Tanzlehrern des Sean Nós sogar bis zum Ende des 20. Jahrhunderts erhalten. Auch heute gehört die Fiddle fest zum charakteristischen Klangbild der irischen Musik, auch wenn sie, ebenso wie der Dudelsack, auf Tanzwettbewerben heute eher selten anzutreffen ist, wo eher das Akkordeon bevorzugt wird. Dafür fehlt sie in kaum einer Tanzkapelle und in kaum einer Session.

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Irish Dance, Irish Dancing, Irischer Tanz
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Letzte Änderung: 1. Januar 2007 - © Kunst des Denkens 2003-2007
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