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| Ghillies, 2003 |
Zwischen 1940 und 1970 entwickelten sich die Light Shoes schrittweise zu den auch heute noch üblichen Ghillies mit Schnürbändern. Bis 1970 hatten sie sich fest etabliert und wurden in dieser Zeit auch für Jungs verwendet. Ghillies sind oben offen und werden mit langen Bändern geschnürt. Die Bänder werden gekreuzt durch zwölf Lederschlaufen, je fünf links und rechts und je eine hinten und vorn, gezogen, dann um das Fußgelenkt und gelegentlich nochmals um den Mittelteil des Fußes geschlungen. Moderne Ghillies sehen zwar aus wie schon um 1970, sind aber technisch hochentwickelte Produkte. Sie verfügen oftmals über zwar weiterhin dünne, aber schockabsorbierende Sohlen, um die seit 1970 erheblich höher gewordenen Sprünge ohne Fußschäden abfedern zu können.
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| Boys Reel Shoes, 2003 |
Relativ spät, erst in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, kam eine Neuerung in die irische Tanzszene, die die bisher für Männer und Frauen gleichen Light Shoes betraf. Statt der Ghillies, die sich aus den ballettartigen Schuhen der 20er Jahre entwickelt hatten, wurde nun speziell für Männer für Light Dances ein Reel Shoe üblich, so wie er auch heute getragen wird. Dieser bestand aus einem Heavy Shoe ohne Toe Piece, wohl aber mit hohem, hartem Absatz, so dass männliche Tänzer nun auch bei Light Dances zumindest Klickgeräusche mit den Absätzen erzeugen konnten. Besteht in den Wettbewerben von An Coimisiún bei Kindern noch die Möglichkeit, zwischen Ghillies und Reel Shoes zu wählen, ist der Reel Shoe für Jungs ab 11 Jahren obligatorisch vorgeschrieben.
Während der Entwicklung der Light Shoes entwickelten sich auch die Heavy Shoes erheblich weiter. Metallbeschläge durch Münzen und ähnliches zur Klangverstärkung wurden von An Conradh und An Coimisiún als "unirische" künstliche Hilfsmittel gebrandmarkt und von den Tanzwettbewerben verbannt. Statt dessen wurde es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder üblich, unter der Fußspitze Keile anzubringen, die Toe Pieces, die aus mehreren Lagen harten Leders bestanden. Wiederum versuchten viele Tänzer, den Klang der Schuhe dadurch zu verbessern, indem sie sich eine große Anzahl von Nägeln in das Toe Piece und in den Absatz, auch Heel Piece genannt, schlagen ließen. An Coimisiún erließ jedoch schon bald strenge Regeln, nach denen jegliche "künstlichen" Hilfen zur Klangerzeugung verboten waren, worunter vor allem jegliche Metallteile verstanden wurden.
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| Heavy Shoes mit dickem hartem Leder, 1931, 1940, 1946 und 1952 |
Heavy Shoes blieben jedoch lange Zeit ausschließlich Männern vorbehalten. Daher verwendete Kitty O'Neill in Amerika um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert Light Shoes, unter denen eine harte Sohle befestigt war, um ebenfalls, wie die Männer, Klänge erzeugen zu können. Von einer anderen Tänzerin wird berichtet, dass sie zum gleichen Zweck sandgefüllte Sohlen verwendete. Erst in den 20er und endgültig in den frühen 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden Heavy Shoes auch für Frauen üblich, die damit auch die Heavy Dances endgültig für sich eroberten.
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| Fiberglas-Tip, 2002 |
Mit der Entwicklung der Kunststoffe wurden die Heavy Shoes geradezu revolutioniert. Die gehärteten Ledersohlen wurden in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts durch kohleverstärktes Plastik und durch Fiberglas abgelöst, die einen wesentlich kräftigeren Klang erzeugen, der viel dunkler ist, als der Klang von Metallplatten. Diese neuartigen Materialien prägen wesentlich das typische Klangbild des heutigen irischen Stepptanzes. Erstaunlicherweise wurde diese Materialveränderung von An Coimisiún nicht als "künstliche" Klanghilfe gewertet und wurde daher schnell zum Standard.
Auch diese Veränderung der Tanzschuhe führte zu einer Stilveränderung des Tanzes selbst. Mit den neuen Hartplastikabsätzen waren Slices nun im Gegensatz zu früheren Lederabsätzen viel einfacher geworden. Einige Tänzer führten nun bis zu 18 Heel Catches pro Half Step aus, darunter teilweise Doppel- und Dreifach-Catches. Um den Charakter des Tanzes zu erhalten, der in bloße artistische Sprungfolgen abzugleiten drohte, begrenzte An Coimisiún daher die Anzahl der in einem Tanz erlaubten Heel Catches. Trotzdem wurde der Stil der Heavy Dances nicht zuletzt auch durch die fortgeschrittene Schuhtechnologie athletischer und artistischer.
Die neue Technologie brachte für die Tänzer zu Anfang jedoch auch Gefahren. Problematisch war einige Zeit, dass die Absätze aus diesen Materialien bei Sprüngen brechen konnten. Dadurch misslang nicht nur der Sprung, sondern es konnte auch zu Stürzen und erheblichen Verletzungen kommen. Seit Ende der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts werden aber hochschlagzähe Materialien verwendet, die dieses Risiko fast ausschließen. Außerdem wird bei den Absätzen nur noch eine relativ dünne Bodenplatte aus klangintensivem Hartmaterial hergestellt, während der größte Teil des Absatzes relativ elastisch und schockabsorbierend ist. Dadurch kommt es, wenn überhaupt, höchstens zum Bruch der Bodenplatte, wodurch die Sturzgefahr erheblich geringer ist.
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| Buble Heels |
Ab etwa Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts kamen sogenannte Bubble Heels auf. Das sind stark nach außen gewölbte, oftmals hohle Absätze, mit denen Heel Clicks und Slices sehr viel einfacher zu tanzen sind und lauter klingen. Diese wurden jedoch von An Coimisiún schnell als "künstliche" Klanghilfe eingestuft und ebenso wie Metallteile verboten. Außerdem wurden Regeln für die Absatzhöhe und die Dicke des Toe Piece erlassen. Die andere große Organisation des Irish Dancing, An Comhdháil, nahm aber keinen Anstoß an den Bubble Heels. Auf ihren Wettbewerben sind solche Schuhe durchaus erlaubt und auch beliebt. Von irischen Tanzschuherstellern werden sie aber aufgrund der Vorherrschaft von An Coimisiún nur auf Anfrage geliefert.
Eine weitere technische Entwicklung deutete sich bereits in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts an, lange bevor sie tatsächlich Bedeutung erhielt. Zu dieser Zeit befestigte eine australische Tänzerin in Sydney Toe Pieces aus Holz unter ihren Light Shoes, um auch bei Heavy Dances nicht auf die Beweglichkeit der Füße verzichten zu müssen. Das Problem war nämlich, dass Heavy Shoes zwar eine an sich weiche Ledersohle besaßen, diese aber lange Zeit in ihrer gesamten Länge durch eine eingearbeitete Metallplatte verstärkt wurde. Dadurch sind die heute üblichen Toe Stands und eine Anzahl anderer Bewegungen jedoch praktisch unmöglich oder zumindest sehr erschwert. Deshalb wurden Heavy Shoes von vielen Tänzern ab Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts "eingebrochen", wobei sie so lange gebogen wurden, bis die Metallplatte brach, um auf den Fußspitzen stehen zu können. Die Schuhhersteller reagierten, indem sie gegen Ende der 90er Jahre sogenannte Flexi Shoes herausbrachten. Diese werden mit mehr oder weniger flexibler Sohle gefertigt, besitzen aber trotzdem die für Heavy Dances notwendige Stabilität. Zuerst nur als Spezialschuhe für Profitänzer gedacht, wurden Anfang des 21. Jahrhunderts bereits fast alle modernen Heavy Shoes als Flexi Shoes hergestellt.
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| Jig Shoes, 2003 |
Auch die technische Entwicklung hin zum Flexi Shoe bewirkte einschneidende stilistische Änderungen im Tanz. Toe Stands, die bis dahin im irischen Tanz praktisch unbekannt waren, wurden besonders in Amerika und ausgehend von dort auch in Irland und anderswo schnell zu einem stilbestimmenden Element des irischen Wettkampf- und Showtanzes. Auch wurden traditionelle Motionen, die bisher auf dem Ballen getanzt wurden, nun teilweise als Spitzentanz ausgeführt. Dadurch hat sich nicht nur der Charakter des Irish Dancing verändert, sondern es führte auch zu einer drastischen Zunahme ernsthafter Fußverletzungen.
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| Schnallen in Kleeblattform, 2003 |
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| Schnallen in Rechteckform, 2003 |
Der auch heute noch übliche Heavy Shoe oder Jig Shoe besteht aus einem einfachen Schnürschuh mit Ledersohle, hohem, hartem, schlankem Absatz und keilförmigem Toe Piece. Aufgrund der unterschiedlichen Klangeigenschaften der verschiedenen Schuhteile lassen sich mit unterschiedlichen Motionen auch sehr unterschiedliche Klänge erzeugen, was den irischen Steppschuh wesentlich vom amerikanischen unterscheidet. Die Sohle ist flexibel und hält auch stärkste Biegungen aus. Zum besseren Halt verfügt der Schuh über einen schmalen Riemen, der um das Fußgelenk gelegt wird. In Fortführung der Tradition wird er meist mit einer Zierschnalle versehen. Diese Zierschnallen sind entweder klassisch rechteckig oder zeigen eine Kleeblattform, englisch Shamrock. Die inneren Teile der Schnallen sind entweder klassisch schwarz oder entsprechend der Mode auch passend zum Kleid rot, grün oder blau lackiert oder mit holografischen Effekten versehen. Die Schuhe selbst blieben bis heute klassisch schwarz.
In Shows wie "Riverdance" oder "Lord of the Dance" werden für die irischen Bühnentänze meist mehr oder weniger traditionelle Schuhe verwendet. Jedoch greifen Solisten wie Michael Flatley oft auch auf Metallbeschläge zurück, um spezielle, teilweise recht eindrucksvolle Klangeffekte zu erreichen. Es muss jedoch festgestellt werden, dass der für den typisch irischen Stil charakteristische Klang dadurch beeinträchtigt wird oder sogar ganz verloren geht.
Während bei den meisten großen irischen Tanzshows die Steppklänge vorher aufgezeichnet und dann zusammen mit der Musik abgespielt werden, verwenden einige Showtänzer auch bei ihren Auftritten Schuhe mit eingearbeiteten Mikrofonen, so dass die erzeugten Klänge elektronisch verstärkt und verarbeitet werden können. Angesichts der Tatsache, dass solche Shows im Gegensatz zum eher familiären Wettbewerbs- und Gesellschaftstanz meist vor einem riesigen Publikum in sehr großen Hallen oder im Freien stattfinden beziehungsweise auf Video aufgezeichnet werden, ist dieses Hilfsmittel für den modernen Showtanz geradezu unverzichtbar.