Die Schuhe gehören natürlich ebenfalls zur Tanzbekleidung. Sie sind jedoch, vor allem im Stepptanz, nicht nur einfache, wahlfreie Ausstattung, sondern wichtigstes Arbeitsmittel des Tänzers. Daher kommt der Entwicklung der irischen Tanzschuhe eine spezielle Bedeutung zu.
Im Altertum wurden zuerst keinerlei Schuhe getragen. Dies setzte sich bei der ländlichen Bevölkerung und bei jungen Leuten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts fort. Schon relativ früh wurde der Fuß aber durch darunter gebundene Lederstücke, die sich zur Sandale und zum Bundschuh weiterentwickelten, gegen Schmerzen und Verletzungen geschützt. Folgerichtig wurde auch über mehrere Jahrtausende hinweg barfuß oder in diesen einfachen Fußbekleidungen getanzt. Die Steppklänge der frühen rituellen irischen Tänze wurden auf normaler Erde rein durch festes Stampfen mit den Füßen erzeugt, ohne entsprechende schuhliche Hilfsmittel.
Erst ab der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends kamen Schuhe mit Sohle und Absätzen auch bei der irischen Landbevölkerung in stärkeren Gebrauch. Sie blieben jedoch sehr teuer und wurden von den Bauern, die sich diesen Luxus leisten konnten, daher nur für besondere Gelegenheiten verwendet, für Feiertage oder Reisen in die Stadt. Getanzt wurde meist noch barfuß und nur auf größeren Festen in den Schuhen, die zu der jeweiligen Zeit üblich waren. Spezielle Tanzschuhe gab es bis ins 18. Jahrhundert nicht. In "The Banks of Boro" berichtet P. Kennedy von einem Rince Fáda, dass er 1812 von Tänzern in Straßenschuhen, damals Turn-Pumps genannt, getanzt wurde. Dieser Tanz war ein typischer Volkstanz, und so verwundert es nicht, dass dazu auch ganz normale Schuhe getragen wurden. Und auch bis heute werden irische Volkstänze in ganz normalen Alltagsschuhen getanzt.
Durch die Entwicklung der irischen Solo Dances began sich diese Situation aber mit dem Auftauchen der Tanzmeister ab etwa 1750 und vor allem mit der Differenzierung in Light und Heavy Dances im 19. Jahrhundert langsam zu ändern. Die Tanzmeister selbst hatten entsprechend ihres Standes meist teure, schwere Schuhe mit harten Sohlen und großer Schnalle. Während ihre bäuerlichen Schüler meist weiterhin barfuß tanzten, konnten die Tanzmeister mit ihren Absätzen beim Tanz Geräusche erzeugen. Das wollten natürlich auch viele Tanzschüler nachmachen. So wurde das Schuhwerk der Tanzmeister dieser Zeit zum Vorbild der heutigen Heavy Shoes. Sie verwendeten ähnliche, schwere Lederschuhe mit relativ harter Sohle, um auf Holzuntergrund damit Geräusche erzeugen zu können. Nun waren damals Schuhe allgemein ein recht teures Vergnügen. Man musste also schon eine große Begeisterung mitbringen, wenn man die neuen Heavy Dances tanzen wollte. Wer es sich leisten konnte, ließ sich zum Tanz besonders schwere Schuhe anfertigen, um die Lautstärke zu erhöhen. Diese Tanzschuhe verfügten, nach dem Vorbild der Tanzmeister, über eine große Schnalle und oft auch über eine große Zunge und waren fast immer schwarz.
Die Mehrzahl der ländlichen Tänzer konnte sich jedoch keine Spezialanfertigungen leisten. Daher versuchte man mit anderen Mitteln, die Lautstärke der zum Tanzen verwendeten Schuhe zu erhöhen. So wurden Heavy Dances Mitte des 19. Jahrhunderts oftmals mit Schuhen mit Holzteilen unter den Zehen und unter der Ferse getanzt. Diese neuen, wenn auch eher provisorischen Heavy Shoes, Hard Shoes, Jig Shoes oder Hornpipe Shoes sahen mit ihrem Absatz und dem Toe Piece modernen Heavy Shoes schon recht ähnlich. Um einen kräftigeren Klang zu erzeugen, kam man schon bald auf die Idee, zusätzliche Nägel einzuschlagen oder diese Holzteile mit Münzen oder anderen Metallteilen zu benageln. Gleichzeitig wurde das unflexible Holz wieder durch gehärtetes Leder ersetzt.
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| Alltagsschuhe zum Tanzen für Mädchen, 1892, und für Männer, 1908 |
Im Gegensatz zu den Heavy Dances wurden die Light Dances noch bis Ende des 19. Jahrhundert meist barfuß getanzt. Daher ist die ebenfalls übliche Bezeichnung dieser leichten Tänze als Soft Shoe Dances von der Tradition her eigentlich nicht korrekt, weshalb die Bezeichnung Light Dances vorzuziehen ist. Erst zu dieser Zeit, als die Light Dances schon mindestens ein Jahrhundert als spezielle irische Tanzform existiert hatten, hatte sich der Gebrauch von Schuhen auch im Alltag in Irland endgültig durchgesetzt. Folgerichtig wurden die Light Dances Anfang des 20. Jahrhunderts bis Mitte der 20er Jahre in normalen, leichten Alltagsschuhen getanzt, oftmals mit grünen Bändern verziert.
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| Light Shoes wie Ballettschuhe, 1917 |
Erst dann begann sich eine Art Ballettschuh durchzusetzen, der um 1917 erstmals im irischen Tanz auftauchte, aber noch ein Jahrzehnt die große Ausnahme blieb. Diese Light Shoes waren aus recht weichem Leder gefertigt und hatten eine dünne Sohle. Bei einigen Typen war die Sohle ähnlich wie bei Balletschuhen relativ schmal, bei anderen etwas breiter und mit einem leicht verstärkten Absatz versehen.
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| Light Shoes mit fester Sohle und kleinem Absatz, 1928 |
Der erste Bericht über die Verwendung von speziellen Light Shoes bei einem Tanzwettbewerb stammt von 1924. Bei den Tailteann Games in Dublin tanzten einige Dubliner Frauen mit Ballettschuhen ihre Light Reels und Slip Jigs. Zwar protestierten die anwesenden Tänzerinnen aus Belfast und Cork, die für ihre Light Dances die damals üblichen leichten Alltagsschuhe trugen, aber die Neuerung wurde ab da recht schnell von den meisten Tänzerinnen übernommen. Das hatte weniger modische als viel mehr tanzstilistische Gründe, denn der Übergang zu Light Shoes führte auch zu einer erheblichen Änderung des Tanzstils. Der neue Belfast-Stil war nicht nur schneller, sondern die nun mögliche Streckung des Fußes machte den Tanz leichter und eleganter. Dieser Effekt wurde besonders bei der Slip Jig deutlich, die sich zu einem sehr schwebenden, elfengleichen Tanz entwickelte. Diese Entwicklung führte jedoch dazu, dass die Männer aus den Light Dances zunehmend herausgedrängt wurden, weil ihnen der neue Stil als zu feminin erschien.
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| Light Shoes, 1930er |
Die frühen Light Shoes hatten keine Schnürbänder, sondern wurden durch ein am hinteren Teil befestigtes Band gehalten, das vorn über den Fuß gekreuzt wurde. Erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die bis dahin verbreitete relativ feste Vollsohle mit kleinem Fersenabsatz vollständig durch eine flache, schmale Weichledersohle abgelöst. Zwischen 1930 und 1960 waren die Light Shoes, der Mode der Zeit entsprechend, meist mit kleinen schwarzen Wollbommeln auf dem Vorderteil verziert. Als Farbe des Oberleders wurde ausschließlich schwarz verwendet.
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| Ghillies für Jungs, 1947 |
Im Gegensatz zur Entwicklung in Irland waren in Australien noch bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts keine Light Shoes bekannt. Sowohl für Solo Dances als auch für Figure Dances wurden ausschließlich Heavy Shoes mit besonders großer Zunge verwendet. Dementsprechend wurde dort auch noch der alte Tanzstil gepflegt, der in Irland zu dieser Zeit bereits verschwunden war. Erst gegen Ende der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde auch in Australien der Light Shoe und mit ihm der entsprechende leichte Tanzstil übernommen.