Übungsprogramm

Das Tanztraining sollte grundsätzlich immer mit einer Erwärmung begonnen werden, um den Kreislauf anzuregen, die Muskeln geschmeidiger zu machen und die Beweglichkeit und Reaktionsgeschwindigkeit zu erhöhen. Dadurch wird nicht nur die Leistungs- und Lernfähigkeit für das eigentliche Tanztraining verbessert, sondern es wird auch Verletzungen vorgebeugt. Für die Erwärmung eignen sich besonders Übungen zur Lockerung und zur Dehnung, die abwechselnd durchgeführt werden. Dabei ist auf eine ausgewogene Behandlung aller Körperbereiche zu achten. Erst dann erfolgt das eigentliche Tanztraining. Übungen zur Verbesserung der Ausdauer, der Sprungkraft und der Beweglichkeit können in das Tanztraining integriert oder als separater Trainingsblock ausgeführt werden. Idealerweise lässt man das Training am Schluss durch ein paar Lockerungsübungen als Abkühlung ausklingen, um aufgebaute Spannungen zu lösen und so, analog und umgekehrt zur Erwärmung, den Körper wieder auf normale Bewegung umzustellen und Verletzungen zu vermeiden.
Das Erlernen der Stilistik und der Technik des Irish Dancing erfolgt schrittweise. Am Beginn der Solo Dances stehen einfache Steps, Passes und Kicks. Als nächstes können verschiedene Sprünge, also Hops und Leaps, eingefügt werden. Diese lassen sich durch einzelne Stamps, Taps und Beats zur Betonung einzelner Taktschläge ergänzen. Nach Brush und Cut ist es an der Zeit, Kombinationsmotionen wie Point, Switch und Treble zu trainieren. Speziell beim Training für das Heavy Dancing ist es dabei wichtig, nicht einfach Elemente aneinanderzureihen, sondern auch Pausen einzufügen, um gleich von Beginn an Rhythmusvariationen zu trainieren.
Das Irish Dancing enthält auch sehr einfache Kombinationen, daher brauchen Elemente nicht in künstlichen Zusammenstellungen trainiert zu werden, sondern können gleich von Beginn an in Form traditioneller Kombinationen trainiert werden. Zu beachten ist, dass die Kombinationen in diesem Buch nicht in der Reihenfolge vorgestellt werden, in der sie erlernt und trainiert werden sollten, sondern lose nach sachlichen Gesichtspunkten geordnet sind. Für das Training muss also eine entsprechend geeignete Auswahl getroffen werden, die sich an den Fähigkeiten des Lernenden orientiert. Außerdem ist es zwar wichtig, intensiv zu üben, aber man sollte schon aus Gründen der Motivation mehrere Schritte in unterschiedlichen einfachen Variationen kombinieren, anstatt stumpfsinnig ständig dasselbe zu wiederholen. Wichtig ist auch, mit der schrittweisen Einführung neuer einfacher Motionen gleich die Terminologie mit zu erlernen, um Choreografieanweisungen und später neue Kombinationen verstehen zu können.
Bei den Group Dances sollte mit einfachen Céilí-Dance- oder Set-Dance-Figuren begonnen werden, die zuerst einmal abgelaufen werden, ehe es zum eigentlichen Tanz geht. Auch hierbei ist es wichtig, die Terminologie zu erlernen, um sich mit den anderen Tänzern über den Tanzablauf verständigen zu können.
Für das Irish Dancing ist Rhythmusgefühl besonders wichtig. Eine Möglichkeit für diejenigen, die damit Schwierigkeiten haben, dies zu trainieren, besteht darin, während des Tanzens die Musik gelegentlich für kurze Zeit stumm zu schalten. Wird sie wieder laut geschaltet, merkt man, wie gut man den Takt gehalten hat. Mit der Zeit kann man dann die stummen Phasen mit wachsendem Trainingserfolg ausdehnen. Ein ähnliches Problem ist die Orientierung im Raum. Bei Solo Dances ist es wichtig, trotz der Fußarbeit die geforderte Position im Raum zu halten, ohne ständig auf den Boden zu sehen. Bei Group Dances müssen geometrisch möglichst exakte und mit anderen Tänzern synchrone Wege zurückgelegt werden. Um dies zu trainieren, sollte man gelegentlich mit verbundenen Augen tanzen, wobei eine andere Person das Training überwachen und die Position korrigieren muss.
Man muss durchaus nicht alle bekannten Motionen beherrschen oder Figuren kennen, um beginnen zu können, "richtige" Kombinationen und Figuren zu tanzen. Im Gegenteil reichen für Solo Dances einfache Steps, Kicks, Hops und Leaps, bei Heavy Dances zusätzlich noch Trebles und Toe Taps bereits aus, um sich an vielen der in diesem Buch beschriebenen Kombinationen, zumindest vereinfacht, zu versuchen. Dabei sollte man mit Kombinationen und Routinen beginnen, bei denen man sich nicht zuviel merken muss, die man technisch sauber tanzen kann und bei denen man sich nicht auf zu viele Dinge gleichzeitig konzentrieren muss. Diese Kombinationen werden zuerst mit niedriger Geschwindigkeit erlernt. Dadurch erhält man erst einmal ein Gefühl für den Rhythmus, erlernt die einzelnen Elemente und lernt, sie technisch exakt auszuführen und miteinander flüssig zu verbinden. Das ist die Grundvoraussetzung dafür, später diese und auch neue Motionen und Kombinationen in höherer Geschwindigkeit kombinieren zu können, wenn der Bewegungsablauf schon automatisch ist und die Technik perfektioniert wurde.
Bei Group Dances werden die Figuren sowieso nicht losgelöst vom Tanz trainiert, sondern schrittweise und langsam entsprechend der Choreografie eingeführt. Zumindest bei den einfacheren Céilí Dances sind die verwendeten Kombinationen recht einfach und bedürfen nur geringen Übungsaufwandes, wenn sie nicht ohnehin bereits aus dem Solo Dancing bekannt sind.
Bereits bei der Zusammenstellung von Motionen und Kombinationen zu ganzen Tanzroutinen beginnt aus dem Training von Elementen die Entwicklung eines Tanzes zu werden. Denn neben dem "Trockentraining" wird eine Kombination ja vernünftigerweise zu passender Musik geübt. Und da wird sie nun so oft wiederholt, bis eine Phrase der Musik, später nur noch eine Hälfte oder ein Viertel davon, vorüber ist. Mit dem jeweils nächsten Musikabschnitt wird jeweils eine andere Kombination angefügt. Jede Kombination, die man neu erlernt, wird auf diese Art angehängt, und so wächst der Übungstanz. Das Schwierige sind dabei meist die Übergänge von einer Kombination zu einer anderen, denn einmal muss man sich merken, was als Nächstes kommt, und zum anderen muss man den Bewegungsablauf plötzlich ändern, ohne einen Bruch im Tanzablauf zu verursachen. Außerdem gibt es Kombinationen, die mit einem extra Auftakt oder Abschluss versehen sind, ganz zu schweigen von dem alten Problem, welcher Fuß nun eigentlich zu Beginn einer Kombination vorn stehen soll, und wie man Kombinationen zusammen bekommt, die scheinbar technisch nicht zusammen passen. Schon aus diesen Gründen ist es sinnvoll, den Trainingsablauf öfters zu variieren oder mehrere Reihenfolgevarianten zu verwenden.
Ist man erst einmal mit vier bis acht Kombinationen so weit gekommen, ist es bereits an der Zeit, einen vollständigen Tanz einzuüben. Dazu wählt man eine passende Musik und entweder eine fertige Choreographie, oder man stellt sich entsprechend der Regeln für den Tanzaufbau selbst passende Elemente zusammen. Zu Beginn wird das Ergebnis noch recht einfach ausfallen, aber man hat wenigstens bereits ein vorzeigbares Erfolgserlebnis. Außerdem lässt sich dieser erste Tanz ja später noch beliebig variieren und ausbauen.
Wichtig ist, sich nicht nur auf einen einzelnen Grundrhythmus festzulegen, etwa auf einfache Reels im 4/4-Takt, sondern schon recht früh die verschiedenen Rhythmusvarianten beim Training zu verwenden. Das mag zu Beginn verwirrend wirken, trainiert aber das für das Irish Dancing ganz entscheidende Rhythmusgefühl. Sicher ist es sinnvoll, zu Beginn erst einmal mit einfachen Light Reels und Light Jigs anzufangen und dies nach und nach durch Treble Reels und Treble Jigs zu ergänzen. Später ist aber eine Gleichverteilung von Light und Heavy Dances und da wiederum von Reels, Jigs, Slip Jigs und Hop Jigs beziehungsweise Hornpipes in jeder Trainingseinheit anzustreben. Mit jeweils sechs Minuten pro Tanzart kommt man dabei auf 48 Minuten tägliches Training. Setzt man seine Ziele jedoch weniger hoch, liegt die Kunst hier aber durchaus in der Beschränkung, und man konzentriert sich lieber auf eine Sache, die man richtig macht, als sich zu verzetteln. Auch wenn man nur ein oder zweimal wöchentlich trainiert, sollte man jedoch die zur Zeit benötigten Choreografien mindestens einmal täglich im Kopf durchgehen, um sie auswendig zu lernen oder aufzufrischen.
Figure Dances müssen zwangsläufig in einer Gruppe eingeübt werden, da die korrekte Raumbewegung sonst nicht angemessen trainiert werden kann. Sie werden jedoch, speziell was die Schrittfolgen betrifft, ähnlich wie Solotänze erlernt. Dabei kann so begonnen werden, dass zu bereits beherrschten Solo Dances Figuren getanzt werden. Später können dann auch speziell choreografierte Figure Dances mit höheren Anspüchen eingeübt werden. Bei den Gesellschaftstänzen sollte man schrittweise zuerst die leichter zu merkenden und leichter zu tanzenden Céilí Dances trainieren. Von da aus lassen sich dann die längeren Social Set Dances erlernen, von denen es sehr viele gibt und wo man entsprechend seiner erworbenen Fähigkeiten und dem Zeitaufwand, den man betreiben will, auswählen kann, was sich für die Gruppe eignet. Schließlich kann man auch noch Battering einfügen, was dadurch sehr erleichtert wird, wenn parallel zu den Group Dances auch Solo Dances trainiert werden.
Die nächsten Trainingsschritte bestehen bei den Solo Dances darin, die Geschwindigkeit zu erhöhen, kompliziertere Kombinationen zu erlernen und Wiederholungen von Kombinationen innerhalb von Steps und Tänzen durch eine größere Auswahl zu ersetzen, was den Tanz abwechslungsreicher macht. Bei den Group Dances können höhere Geschwindigkeiten für das Battering gewählt, mehr Battering eingefügt und schließlich eigene Sets choreografiert werden. Die Grenzen des Trainings und der Gestaltung eigener neuer Elemente, Zusammenstellungen und Tänze sind nach oben offen, ganz nach Zeit, Lust, Ehrgeiz und Talent. Jedoch wie weit man dabei kommt, ist nicht wirklich wichtig, solange man Spaß an der Sache hat.
Für professionelles Tanztraining sind täglich mindestens zwei Stunden Arbeit erforderlich, für den Hochleistungstanz bis zu sechs Stunden. Aber auch der Freizeittänzer ist gut beraten, sich nicht nur auf ein oder zwei Stunden Training in der Woche mit der Gruppe zu beschränken. Ideal ist es, jeden Tag ein paar Übungen durchzuführen. Für das Streching sollten 15 Minuten, für Bauchmuskeltraining mindestens drei Minuten, für Geschwindigkeit und Tanzhaltung zehn Minuten und für das Training der Sprunghöhe fünf Minuten aufgewandt werden, was insgesamt mindestens 33 Minuten täglich ergibt. Natürlich ist es auch möglich, mit wesentlich weniger Aufwand zu tanzen. Wer sich jedoch an wirklich schwierige Elemente und höhere Tanzgeschwindigkeiten wagen will, muss schon einiges dafür tun. Allgemein gilt, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, wo er seinen Kompromiss zwischen Tanzspaß und Leistungswillen schließt, wieviel an Training er also investieren will.

Irish Dance, Irish Dancing, Irischer Tanz
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Letzte Änderung: 1. Januar 2007 - © Kunst des Denkens 2003-2007
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