Die Entscheidung, Irish Dancing zu trainieren, ist meist mit der Entscheidung für einen bestimmten Tanzlehrer oder Übungsleiter verbunden. Gibt es am Ort nur einen Tanzlehrer für Irish Dancing, ist diese Entscheidung mangels Alternative einfach - man kommt damit klar oder verzichtet.
Der Tanzschüler erwartet von seinem Lehrer, dass dieser ihm die für das Irish Dancing notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt, seine Technik und seine Leistung verbessert und ihm neue Elemente und Choreografien beibringt. Er will von seinem Lehrer etwas lernen, will sich verbessern, sich entwickeln. Dafür muss er bereit sein, sich selbst entsprechend anzustrengen und die Hilfe des Tanzlehrers auch anzunehmen.
Der Tanzlehrer seinerseits muss die notwendige tänzerische und pädagogische Fachkompetenz besitzen. Leider gibt es durch die Begeisterungswelle für das Irish Dancing seit dem Beginn von "Riverdance" vor allem in Gebieten ohne irische Tanztradition viele Tanzlehrer, die diese neue Einnahmequelle für sich ausnutzen, ohne den notwendigen Sachverstand zu besitzen. Sie bieten angebliche Kurse im Irish Dancing an, veranstalten aber nur improvisierten Stepptanz zu irischer Musik, in der Hoffnung, ihre Schüler würden den Unterschied mangels Vergleichsmöglichkeit nicht bemerken - ein klarer Vertrauensmissbrauch. Allerdings sind auch Grade, Diplome und Berufsbriefe allenfalls Hinweise, aber keine Garantie für tänzerischen Sachverstand und pädagogisches Können - und anders herum, wer kein Zertifikat vorweisen kann, ist deshalb noch kein schlechter Tanzlehrer. In jedem Fall gilt: echtes Vertrauen muss erarbeitet werden, und echter Sachverstand muss am Ergebnis gemessen werden, nicht an Versprechen oder Titeln - das gilt im Irish Dancing genauso wie anderswo.
Entscheidend für den Lernerfolg ist das richtige Lehrer-Schüler-Verhältnis. Und dafür wiederum entscheidend ist die Kritikfähigkeit der Schüler, denn es liegt nun einmal in der Natur des Lernens, dass der Schüler etwas nicht oder noch nicht gut kann und sich daher vom Lehrer sagen lassen können muss, was er zu tun hat und wo seine Probleme liegen. Menschen, die allgemein ein eher gespanntes Verhältnis zu Kritik haben, haben deshalb auch oft Schwierigkeiten, sich mit einem Lehrer auf ein gemeinsames Lernkonzept zu einigen. Hier sind Kinder gelegentlich pflegeleichter als Erwachsene, denn sie sind es gewohnt, dass Eltern, Lehrer und andere Erwachsene ihnen Vorschriften machen, während sich viele Erwachsene inzwischen als zu klug vorkommen, um sich Ratschläge und Anweisungen geben zu lassen. Entscheidend für den Erfolg des Unterrichtes ist es aber, dass die Tanzschüler begreifen, dass es vor allem seine - konstruktive - Kritik ist, die sie vom Tanzlehrer haben wollen. Andererseits muss natürlich der Tanzlehrer versuchen, dafür zu sorgen, dass seine Schüler diese Kritik auch als hilfreich - eben konstruktiv - verstehen, als Teil der gemeinsamen Anstrengung, zum Ziel zu kommen. Er muss sich bemühen, die Schüler und ihre Erwartungen, Wünsche, Fähigkeiten und Probleme zu verstehen, und er muss so auf sie eingehen, dass sein Fachwissen bestmöglich von seinen Schülern genutzt werden kann.
Vor allem Erwachsene haben sehr oft Hemmungen zu fragen, wenn ihnen etwas unklar ist. Kinder sind da meist viel offener und sprechen den Tanzlehrer an, wenn sie mit seinen Anweisungen nicht zurecht kommen. Erwachsene hingegen haben oft Angst, sie könnten dem Lehrer oder den anderen Tänzern als zu dumm erscheinen, oder sie wollen aus Höflichkeit den Lehrer nicht stören und die anderen Tänzer der Gruppe nicht aufhalten. Lieber versuchen sie, sich allein durchzubeißen oder bemühen sich, Fehler und Unsicherheiten zu verdecken, um nur ja nicht aufzufallen. So kommt es, dass Tänzer wegen ihrer Schwierigkeiten frustriert werden und das Tanzen eventuell sogar ganz aufgeben, obwohl ein paar simple Fragen die Probleme hätten lösen können. Es stimmt schon, Fragen können, vor allem wenn sie kurz hintereinander kommen und immer wieder das gleiche Thema betreffen, ganz schön nervig sein. Aber der Tanzlehrer ist ja dazu da, sein Wissen zu vermitteln - was er nur tun kann, wenn man ihm sagt, wo es benötigt wird. Deshalb ist es unbedingt notwendig, den Tanzlehrer gezielt auf Probleme anzusprechen. Das betrifft nicht nur Unklarheiten, sondern ebenso Wünsche und Unzufriedenheit, denn nur Probleme, die erkannt werden, lassen sich - gemeinsam - lösen. Tanzunterricht ist harte Arbeit, für den Lehrer wie auch für die Schüler. Aber es soll natürlich auch Spaß machen, und das geht nicht, wenn man jedes Problem nur still in sich hinein frisst.
Als Tanzlehrer weiß man natürlich nicht von allein, was die Schüler denken und wie sie mit dem Lehrstil zurecht kommen. Aber genau dieses Wissen ist notwendig, um auf die Schüler einzugehen und den Unterricht und die Tanzplanung auf die Bedürfnisse der einzelnen Schüler abzustimmen. Kinder stellen sich schnell quer, wenn irgend etwas nicht nach ihren Vorstellungen läuft. Sie ziehen Gesichter, jammern und beschweren sich, werden unkonzentriert oder verweigern sich. Damit hat ein Tanzlehrer sicher viel Mühe, aber wenigstens kann er darauf reagieren. Erwachsene hingegen rücken oft nicht mit der Sprache heraus. Sie lächeln und schweigen sogar auf Rückfragen des Lehrers, ob denn alles klar sei. Aber irgendwann werden sie dann wütend auf ihn, weil er nicht hellseherisch begab ist und ihre Probleme und Wünsche nicht erraten hat. Das zeigt, wie wichtig die Kommunikation zwischen Lehrer und Schüler ist.
So wichtig wie die Fragen selbst ist auch die Art, wie sie gestellt werden. Fragen, die Beschuldigungen enthalten, kommen nie gut an. Wenn man ein Problem hat, sei es vom Verständnis her, oder sei es Unzufriedenheit mit einer Entscheidung des Lehrers, sollte man sich bereits bei der Formulierung der Frage klar machen, dass der Tanzlehrer kein Gegner ist, den es zu bezwingen gilt, sondern ein Partner, mit dem man sich einigen möchte. Umgekehrt gilt das natürlich ebenso für den Lehrer, der sich klar sein muss, dass selbst wiederholte Fragen keine Bösartigkeit des Schülers darstellen, sondern Probleme aufwerfen, die für den gemeinsamen Erfolg geklärt werden müssen. Der Schüler muss andererseits aber auch seinen Platz im Verhältnis zu seinem Lehrer kennen und gegebenenfalls fachliche und administrative Entscheidungen des Lehrers selbst dann akzeptieren, wenn sie ihm nicht gefallen. Er muss die Fachkompetenz seines Lehrers achten, ansonsten ist keine gemeinsame Lernarbeit möglich. Andererseist muss der Tanzlehrer Verständnis für den Schüler aufbringen, der eben all das noch nicht weiß und kann, was für den Tanzlehrer völlig klar und einfach erscheinen mag.
Erwachsene versuchen, meist unbewusst, einmal Gelerntes zu verallgemeinern und als Muster für neue Dinge zu verwenden. Das trifft speziell auf das sehr technische Irish Dancing zu. Das erleichtert es ihnen, wenn sie erst einmal eine bestimmte Technik begriffen haben, weitere ähnliche Techniken fast augenblicklich nachzuvollziehen und sich anzueignen. Der Prozess der Verallgemeinerung zu Beginn kann jedoch um so langwieriger sein. Alles muss erst durch den Kopf, muss erst richtig verstanden werden, sei es logisch oder intuitiv, ehe es in die Füße kommt, wo es dann allerdings in fast beliebiger Variation abrufbar ist. Erwachsene versuchen, alles von Beginn an "richtig" zu machen, so wie sie es vorher gelernt haben, und werden dadurch oft von der Technik aufgehalten. Dafür sieht eine neue Schrittfolge dann aber auch sofort einigermaßen gut aus, sobald sie erst einmal im Kopf ist. Kinder hingegen lernen meist direkt auswendig, was sie sehen und hören. Dadurch können sie neue Tanzschrittfolgen wesentlich schneller erlernen, als Erwachsene. Sie kümmern sich wenig um Form und korrekte Technik, sondern nehmen zuerst das große Bild in sich auf. Jedoch ist der Vorgang der Korrektur der Ausführung dann um so langwieriger, und sie müssen bei jeder Variation wieder von vorn anfangen zu lernen, da sie das zugrunde liegende gemeinsame Muster noch nicht durchschauen. Erwachsenen oder Kindern das Tanzen beizubringen, sind also durchaus zwei völlig verschiedene Dinge, die verschiedene Herangehensweisen erfordern.
Die wesentlichsten Probleme beim Unterricht im Irish Dancing sind die korrekte Abfolge der Elemente, die Technik der Ausführung, und der Grund, warum man sich mit dieser oder jener Sache herum plagen muss. All diese Sachen sind hinterfragbar, denn sie behindern den Lernfortschritt und verursachen eine Menge Frust, wenn sie nicht geklärt werden.
Wer nicht schnell genug mitkommt, der muss sich die Abfolge noch einmal langsam demonstrieren lassen, bis sie klar ist, denn ist eine falsche Abfolge erst einmal gespeichert, wird es doppelt so schwer, sie wieder aus dem Kopf zu bekommen. Und hat man einen Teil einer Abfolge nicht im Kopf, kommt man auch mit den darauf folgenden Teilen nicht zurecht, weil man an der unverstandenen Stelle immer wieder aus der Bahn geworfen wird.
Das sind typische Fragen zur Abfolge, die sich jeder Irish Dancer schon einmal gestellt hat, die aber auch der Tanzlehrer erfahren muss, wenn er helfen soll. Das Gleiche gilt für die Technik.
Erwachsene, besonders wenn sie schon einige Erfahrung im Irish Dancing haben, tendieren dazu, Schwierigkeiten zu überspielen. Dabei hilft ihnen die bereits erworbene Erfahrung - korrekte Tanzhaltung und bereits bekannte Motionen - sowie die intuitive Fähigkeit, geforderte Bewegungen durch andere zu ersetzen, die so ähnlich aussehen. Kinder hingegen machen, was ihnen in den Sinn kommt, wenn sie etwas nicht richtig verstanden haben, und das sieht der Tanzlehrer dann meist sehr deutlich, oder sich machen einfach gar nichts, was genauso auffällt, wo Erwachsene sich oft so durch mogeln. Aber trotzdem lassen sich Probleme mit Abfolge und Technik durch genaues Beobachten immer noch relativ schnell feststellen, auch wenn ein erwachsener Schüler eisern dazu schweigt. Probleme mit den Entscheidungen des Lehrers jedoch zehren an den Nerven und bleiben verborgen, bis das Lehrer-Schüler-Verhältnis irreparabel zerstört ist, wenn die Schüler, oder bei Kindern die Eltern, nicht offen nachfragen und Begründungen verlangen.
Für gewöhnlich hat ein Tanzlehrer gute Gründe für seine Entscheidungen - und die kann man auch einfordern und Erklärungen dazu verlangen. Das ist nicht unhöflich und wird von einem guten Lehrer auch nicht übel genommen werden, sorgt aber sicher für ein gutes, offenes Klima in der Tanzgruppe. Allerdings entbindet das natürlich nicht davon, Entscheidungen des Tanzlehrers zu respektieren und seine Autorität nicht öffentlich anzugreifen. Schüler müssen die Meinung des Lehrers nicht teilen, aber sie müssen sie akzeptieren. Das Schüler-Lehrer-Verhältnis ist nicht gleichberechtigt, aber es sollte offen, ehrlich, freundschaftlich und von gegenseitiger Achtung geprägt sein.
Tanz kann man auf zweierlei Art lernen, entweder intuitiv durch visuelle Erfassung der Bewegungen eines Vortänzers und akustische Erfassung des Rhythmus, oder durch verbale Erklärung und Analyse der einzelnen Elemente. Viele Tanzlehrer beschränken sich auf die erste Methode, da sie selbst auf diese Art das Tanzen erlernt haben. Gerade das sehr mathematisch-technische Irish Dancing bietet sich jedoch für die zweite Methode an. Die einzelnen Elemente des irischen Tanzes lassen sich klar voneinander trennen, dann logisch erklären und schließlich wie in einem Baukasten zusammen fügen. Das erleichtert das Verständnis erheblich. Deshalb sollte der irische Tanzunterricht nicht nur praktische Bewegungen vermitteln, sondern auch die darunter liegende Theorie des Tanzes und der Musik.
Tanzunterricht besteht aus vier Teilaufgaben, die der Tanzlehrer zu lösen hat: theoretische Erklärungen, praktische Demonstrationen, praktische Übungen und technische Korrekturen. Der Tanzlehrer sollte seinen Schülern zuerst die einzelnen Elemente erklären, die er im Unterricht verwenden möchte, so dass sie auch verstehen, was sie da machen sollen. Dazu werden Fachbegriffe eingeführt und mit praktischen Tanzelementen verknüpft, so dass klar ist, wovon der Lehrer eigentlich spricht, wenn er später dieses oder jenes zu den Schülern sagt und von ihnen verlangt. Ist so erst einmal ein Grundverständnis erreicht, muss er praktisch demonstrieren, was er von seinen Schülern erwartet, so dass die Schüler die Tanzelemente nun auch visuell und eventuell akustisch erfassen können. Dabei hat es sich bewährt, dass der Tanzlehrer mit dem Rücken zu den Schülern steht, so dass die Schüler seine Bewegungen exakt wie gesehen nachvollziehen können. Merkwürdigerweise hat sich das spiegelbildliche Tanzen mit dem Gesicht zu den Schülern als eher verwirrend, denn hilfreich herausgestellt. Entscheidend ist in jedem Fall aber eine freie Sicht speziell auf die Füße des Tanzlehrers. Dann können Ausführung und Abfolge geklärt und trainiert werden. Ziel der praktischen Übungen ist es, die erforderlichen Bewegungen zu automatisieren, so dass die Schüler nicht mehr nachdenken müssen, um eine Bewegungsfolge zu tanzen. Erst dadurch kann die notwendige hohe Geschwindigkeit erreicht werden. Auch während dieser Übungen, zumindest zu Beginn, wenn die Schüler noch unsicher sind, muss der Tanzlehrer dafür sorgen, von allen gut gesehen zu werden, damit sie sich ständig an seinen Bewegungen orientieren können. Auch eine Spiegelwand, in der die Schüler den Tanzlehrer und vor allem sich selbst gleichzeitig von vorn sehen können, ist zur ständigen Selbstkontrolle und Selbstkorrektur der Schüler sehr nützlich. Später müssen die Schüler aber natürlich lernen, auf solche Hilfen zu verzichten, um mit ihren Tänzen auch auftreten zu können. Erst wenn sich die Bewegungen und Abläufe einigermaßen eingeschliffen haben, ist es an der Zeit, die Technik des Tanzes zu korrigieren und die Präsentation zu verbessern. Diese Kleinarbeit ist unter Umständen sehr langwierig und nervtötend und stellt die größte Belastungsprobe für das Schüler-Lehrer-Verhältnis dar. Aber genau diese Arbeit ist es, die über das bei Auftritten gezeigte Ergebnis des gesamten Training entscheidet. Hier erweist es sich, wie gut ein Lehrer und seine Schüler wirklich sind.
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Letzte Änderung: 1. Januar 2007 - © Kunst des Denkens 2003-2007
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