Die steife, hoch aufgerichtete Körperhaltung ist ein wesentliches Stilelement des Irish Dancing. Das Irish Step Dancing ist faktisch der einzige Tanzstil, der einen Tanz mit hohen Anforderungen an die Balance auf Beinbewegungen begrenzt und Bewegungen der Arme, des Oberkörpers und des Kopfes ausschließt. Rücken und Arme bleiben immer gestreckt, der Kopf hoch erhoben mit Blick nach vorn. Während diese Anspannung beim Wettkampftanz sehr betont wird, bleibt der Körper beim Sean Nós und bei den Social Set Dances trotzdem immer noch relativ entspannt.
Wesentlich für die irische Tanzweise ist die Stellung der um jeweils 45° nach außen gedrehten, Turn-out, und leicht gekreuzt voreinander, Cross-over, stehenden Füße, so dass beide Fußgelenke zu sehen sind. Die Drehung erfolgt jedoch nicht im Fußgelenk, sondern betrifft die ganzen Beine, die in der Hüfte gedreht werden. Diese Stellung bleibt bei allen Bewegungen erhalten beziehungsweise wird sofort wieder hergestellt, wenn die Position der Füße tanzbedingt verändert wird. Daher werden Steps und Taps nur vor oder hinter dem Standbein ausgeführt, nie daneben oder auswärts, von Schritten zur Veränderung der Raumposition abgesehen. Dies ist bei den Heavy Dances auch der wesentlichste sichtbare Unterschied zum American Tap Dance, wo Taps in jede Richtung und jeder Fußstellung ausgeführt werden können. Das Gleiche lässt sich zum Unterschied zwischen Light Dances und Ballet sagen. Die Variationsbreite bei der Bein- und Fußstellung ist jedoch groß.
So stehen im Sean Nós oder bei den Social Set Dances die Füße entspannt und fast parallel und werden kaum oder nur sehr wenig gekreuzt. Demgegenüber zeigt der moderne Wettkampftanz die Tendenz, die Füße fast bis 90° nach außen zu drehen und sehr weit zu überkreuzen.
Irische Solo Dances und Céilí Dances werden mit Ausnahme bestimmter Motionen wie Stamps, Heels und Toes hauptsächlich auf den Ballen, Pull-up, getanzt. Durch den Stand auf den Ballen macht der Tänzer den Eindruck, als würde er quasi oberhalb der Tanzfläche schweben. Während im Sean Nós dieser Ballenstand nicht zu hoch ausgeführt wird, entwickelt sich der Wettkampftanz teilweise in Richtung Spitzentanz. Ausgesprochene Spitzentanzelemete sollten aber nur von erfahrenen Tänzern trainiert werden und sind bei Kindern unter 12 Jahren generell unstatthaft, um bleibenden Schäden an den Füßen vorzubeugen. Die irischen Social Set Dances werden im Gegensatz zu den anderen irischen Tänzen mehr, aber nicht völlig auf der ganzen Sole getanzt. Vor allem in aufwändiger choreografierten Set Dances wird häufig auch aus den Solo Dances bekannte Fußarbeit eingefügt, was auch Rückgriffe auf deren Stilistik einschließt.
Wird im Solo oder Céilí Dancing ein Fuß vom Boden gehoben, wird er grundsätzlich gestreckt. Schienbein, Fußrücken und Zehen sollen optisch eine gerade Linie ergeben. Bei relativ bodennahen Motionen ist dies nicht so ausgeprägt. Bei Sprüngen und stillen Motionen muss dies aber klar zu sehen sein. Auch hier geht es im Sean Nós und bei den Social Set Dances wieder etwas entspannter zu, wobei in diesen Stilen generell näher am Boden getanzt wird.
Im Stand und bevorzugt auch in vielen Bewegungen bleiben die Knie gerade. Seitwärtsbewegungen der Knie sind, mit wenigen Ausnahmen, zu vermeiden. Demgegenüber sind übrigens die Knie im American Tap Dance leicht gebeugt, so dass die Beine Bewegungen ausführen können, ohne dass der Rest des Körpers diese Bewegungen mit vollziehen muss. Statt dessen ist der Oberkörper dort entspannt nach vorn geneigt und die Arme sind angewinkelt, um völlig von den Beinbewegungen unabhängige Bewegungen ausführen zu können. Im Irish Dancing sollen sich Oberkörper und Arme, besonders auch bei hohen Sprüngen, ohne jede Eigenbewegung mit dem gesamten Körper mit bewegen. Dies gibt dem irischen Tanz die typische Eleganz der straffen Körperhaltung. Der Oberkörper bleibt auch in der Bewegung immer aufrecht und gestreckt, die Schultern zurückgezogen und beide gleich hoch. Die Arme sollen, wenn sie nicht für Partnerfassungen gebraucht werden, gerade und unbeweglich neben dem Körper hängen. Unkontrolliertes Schlenkern der Arme bei Sprüngen und Drehungen ist ebenso zu vermeiden, wie Schwung Holen. Beim Wettkampftanz wird erwartet, dass die Arme leicht nach außen gedreht werden, so dass die Ellenbogen in der Taille ruhen und die ganzen Arme eng am Körper anliegen. Eine zwar gerade, aber durchaus entspannte und eher natürliche Armhaltung, wie sie im Sean Nós üblich ist, ist jedoch bequemer und wirkt auch ästhetischer, weshalb sie von Showtänzern bevorzugt wird. Darüber hinaus ist im Sean Nós noch das Einstützen eines oder beider Arme in den Hüften üblich. In Tanzwettbewerben wird darauf geachtet, dass die Hände zur Faust geballt gehalten werden. Auch hier ist die eher natürliche Handhaltung des Sean Nós zu bevorzugen, wobei jedoch das gelegentlich zu beobachtende Strecken einzelner Finger ebenso vermieden werden sollte, wie das Spreizen der Hände.
Der Kopf ist hoch erhoben, aber auch nicht zu hoch. Weder soll der Tänzer unsicher auf seine Füße oder die Füße anderer Tänzer schauen, noch soll er arrogant wirken. Das Kinn soll parallel zum Boden sein, so dass der Tänzer stolz nach vorn blickt.
Im modernen Bühnentanz werden die hier beschriebenen irischen Stilmerkmale oft durchbrochen, um bestimmte Wirkungen zu erzielen, die beim Volkstanz und beim Wettkampftanz nicht beabsichtigt sind. So können einzelne Arm- und Kopfbewegungen durchaus wirkungsvoll als Ausdrucksmittel eingesetzt werden, solange der Gesamteindruck erhalten bleibt. Beliebt ist auch die Variation der Armhaltung, wobei die Arme entweder in den Hüften oder vor oder hinter dem Körper verschränkt gehalten werden. Dadurch lassen sich verschiedene Stimmungen ausdrücken, um eine entsprechende Choreografie der Bewegungen zu unterstützen.
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Letzte Änderung: 1. Januar 2007 - © Kunst des Denkens 2003-2007
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