Set Dances

Die Set Dances oder genauer Solo Set Dances sind Solotänze und dürfen nicht mit den gleichnamigen Gruppentänzen verwechselt werden. Die Bezeichnung Set ist dabei durchaus problematisch, denn sie steht gleichzeitig für völlig verschiedenen Begriffe, auch innerhalb der Solo Set Dances selbst. Set Dances unterscheiden sich von Step Dances einzig dadurch, dass sie für ein spezielles Musikstück, das Set, choreografiert wurden. Demzufolge haben sie auch eine etwas andere Struktur als die Step Dances, weil die verwendeten Musikstücke nicht dem Sechzehnerschema folgen müssen, sondern im Gegenteil eine asymmetrische Struktur aufweisen.
Die erste Struktureinheit eines Set Dance ist oft, wie auch bei Step Dances, zweimal acht, also 16 Takte lang oder weicht nur wenig, meist um ein oder zwei Takte, davon ab, weshalb sie ebenfalls Step, oder falls mehrere Steps existieren, First Step, genannt wird. Der erste, und oft einzige, Step, der den Tanz einleitet, kann auch als Lead Out bezeichnet werden und stellt technisch oft ein Lead Up, seltener ein Lead Around dar. Die Steps der Set Dances sind meist entweder nur Half Steps oder bestehen, wie auch bei den Step Dances, aus zwei fast identischen Half Steps, die die gleichen Kombinationen, nur auf dem jeweils anderen Bein, beinhalten.
Auf den Step folgt eine Einheit, die meist zwischen zweimal 12 bis 24 Takte lang ist. Diese wird im Unterschied zum Step wie die gesamte Musik als Set, also genau auf ein bestimmtes Musikstück passende, feste Schrittfolge bezeichnet. Wenn mehr als ein Set existiert, wird analog zum Step die Bezeichnung First Set verwendet. Ein Set besteht als Full Set wiederum analog zum Step aus zwei Half Sets. Dem können weitere Steps und Sets im Wechsel folgen.
Set Dances sind ausschließlich Heavy Dances, die in Heavy Shoes getanzt werden. Beim Wettkampftanz von An Coimisiún und An Comhdháil werden ausschließlich Hornpipes und Jigs, sowie eine einzige halbe Slip Jig als Set Dances getanzt. Prinzipiell sind aber auch andere Rhythmen möglich.

Traditional Set Dances

Als Traditional Set Dances werden Tänze bezeichnet, deren Choreografie historisch überliefert ist. Die acht offiziell von An Coimisiún verwendeten Choreografien von Traditional Set Dances gehen angeblich auf das 18. und 19. Jahrhundert zurück und werden als die ursprüngliche Form der Set Dances und des Step Dancing überhaupt angesehen. Sie werden als historisches Erbe gepflegt und von allen Schulen, mit geringfügigen Variationen, gelehrt. Tatsächlich jedoch wurden sie erst im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts geschaffen. Das ist An Coimisiún durchaus bekannt und wird auch offiziell nicht ausdrücklich geleugnet, aber die Legende von der historischen Authentizität dieser Tänze wird weiter gepflegt und sitzt so tief, dass sie selbst von der überwiegenden Mehrzahl der Tanzlehrer geglaubt und vertreten wird. Die heute als traditionell bezeichneten Versionen wurden von An Coimisiún relativ willkürlich unter den in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstandenen Choreografien ausgewählt. Sie sind seit Ende der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts Teil des offiziellen Prüfungs- und Wettbewerbsprogramms von An Coimisiún und werden auch von anderen Tanzorganisationen gepflegt. Die offizielle Begründung, den traditionellen Stil und die traditionellen Motionen zu bewahren, hat dabei trotz der nur begrenzten historischen Authentizität der Choreografien durchaus ihre Berechtigung, da sie im alten Cork-Kerry-Stil gehalten sind, der heute ansonsten kaum noch verwendet wird.
Bei der folgenden Aufstellung werden in Klammern die Minimalgeschwindigkeit in bpm und die Anzahl der Takte für die Half Steps und Half Sets der kompletten Tänze angegeben, wobei dem wiederum ein Vorspiel von der Länge des ersten Half Steps vorausgeht.

Hornpipes:

King of the Fairies - Rí na Síog (124-8-8-16-16)
The Blackbird - An Londubh (140-7½-7½-15-15-7½-7½)
The Garden of Daisies - Gairdin na Nóiníní (138-8-8-16-16)
The Job of Journeywork - An Greas Giúrnála (138-8-8-14-14-8-8)
The White Blanket - An Súisín Bán (na-6-6-12-12)

Jigs:

Jockey to the Fair - An Marcach Chuig an Aonach (na-8-8-14-14)
St. Patrick's Day - Lá Fhéile Pádraig (92-8-8-14-14-8-8-14-14-8)
The Three Sea Captains - Na Triúir Captaein Mara (na-8-8-20-20)

Werden Traditional Set Dances auf Wettbewerben getanzt, dann erfolgt das in der Standardform, bestehend aus einem Step und einem Half Set, obwohl die kompletten Choreografien, teilweise sogar wesentlich, umfangreicher sind. "The White Blanket" und "The Three Sea Captains", obwohl als traditionell anerkannt, sind merkwürdigerweise nicht zu Wettbewerben von An Coimisiún zugelassen. Außer den offiziellen gibt es auch noch eine Reihe weiterer traditioneller Set Dances, die in Aufzeichnungen überliefert oder noch von einigen wenigen Tanzlehrern mehr oder weniger original getanzt werden. Diese sind aber fast vollständig aus dem öffentlichen Bewusstsein der irischen Tanzbewegung verschwunden. Alle für Traditional Set Dances verwendeten Musikstücke werden auch als Open Set Dances verwendet.

Open Set Dances

Zu Wettbewerben sind nur spezielle Musikstücke zugelassen, zu denen Set Dances getanzt werden können. Die Tänze zu diesen Musikstücken werden als Open Set Dances bezeichnet, weil es dem Tänzer bei festliegender Musik offen steht, dazu beliebige eigene Choreografien zu tanzen. Jede Tanzschule hat ihre eigenen Choreografien, die den Schülern vermittelt werden. Manche Tänzer choreografieren ihre Set Dances jedoch auch selbst. Für den Wettbewerb wird die Minimalgeschwindigkeit jedes Tanzes vorgegeben, kann aber auch höher gewählt werden. Die Set Dances der Wettkämpfe bestehen nur aus einem Step und einem Half Set, um Zeit zu sparen. Der Step, dem ein Vorspiel der halben Länge vorausgeht, besteht aus zwei Half Steps, die zwischen 6 und 16 Takte lang sind. Das darauf folgende Half Set wird nur einmal getanzt und bereits nach 8 bis 24 Takten, je nach Tanz, beendet.
Bis 2000 hatte An Coimisiún nur 30 Sets auf ihrer Liste, die auch von An Comhdháil verwendet werden. Das sind 17 Hornpipes und 12 Jigs, sowie ein Stück aus Slip Jig für den Step und Jig für das Set. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Sets, wobei jeweils die Namen in Englisch und Irisch, sowie in Klammern die Minimalgeschwindigkeit in bpm und die Anzahl der Takte der Half Steps und der Half Sets angegeben sind.

Hornpipes:

Bonaparte's Retreat - Cúlú Bonaparte (76-8-20)
Kilkenny Races - Rásaí Chill Choinnigh (80-8-24)
King of the Fairies - Rí na Síog (80-8-16)
Madame Bonaparte - Madame Bonaparte (auch "Bonaparte's Advance") (80-8-12)
Planxty Davis - Plancstaí Daibhéis (80-16-16)
Rodney's Glory - Glóir Rodney (80-8-12)
The Ace and Deuce of Pipering - Aon agus Dó na Píobaireachta (76-12-12)
The Blackbird - An Londubh (70-7½-15)
The Downfall of Paris - An Titim Páras (76-8-16)
The Garden of Daisies - Gairdin na Nóiníní (76-8-16)
The Hunt - An Fiach (76-8-12)
The Job of Journeywork - An Greas Giúrnála (76-8-14)
The Lodge Road - Bóthar an Lóiste (76-8-20)
The Piper through the Meadow Straying - An Píobaire (76-8-12)
The Rambling Rake - An Réice Fáin (76-8-16)
The White Blanket - An Súisín Bán (76-6-12)
Youghal Harbour - Cuan Eochaille (80-6-14)

Jigs:

Hurry the Jug - Cuir Thart an Crúsca (69-8-16)
Jockey to the Fair - An Marcach Chuig an Aonach (69-8-14)
Miss Brown's Fancy - Rogha Inion Dé Brún (69-8-16)
Planxty Drury - Plancstaí Drúirí (69-12-16)
Rub the Bag - Cuimil an Mála (66-8-14)
St. Patrick's Day - Lá Fhéile Pádraig (92-8-14)
The Blackthorn Stick - An Maide Droighneáin (66-15-15)
The Drunken Gauger - An Gaueger Meisceach (auch "The Funny Tailor") (66-15-16)
The Humours of Bandon - Pléaráca na Banndan (69-8-16)
The Hurling Boys - Na Buachaillí Báire (69-8-14)
The Orange Rogue - An Rógaire Buí (69-8-16)
The Three Sea Captains - Na Triúir Captaein Mara (66-8-20)

Slip Jigs:

Is the Big Man Within? - 'Bhfuil an Fear Mór Istigh? (Step 113-8, Set 69-8)

Im Jahr 2001 nahm An Coimisiún acht weitere Stücke, drei Hornpipes und fünf Jigs, in ihren Bestand auf, die seit Mai 2002 zum Standard gehören. Damit stehen jetzt insgesamt 38 Sets - das sind 20 Hornpipes, 17 Jigs und eine Mischung aus Slip-Jig und Jig - zur Verfügung.

Hornpipes:

The Blue Eyed Rascal - Cuilceach An Shúil Ghorm (80-8-12)
The Four Masters - Na Ceathrar Mháistir (80-8-12)
The Roving Pedlar - Na Díoltóir Aistreach (80-8-14)

Jigs:

The Deep Green Pool - An Linn Domhain Uaine (69-8-20)
The Fiddler round the Fairy Tree - An Veidleadóir Thart ar an gCrann Síog (69-8-12)
The Sprig of Shillelagh - Géagán Siol-eiligh (69-6-10)
The Storyteller - An Scéalaí (69-8-16)
The Wandering Musician - An Ceoltóir Fánach (69-8-16)

An Comhdháil verwendet außer den klassischen 30 ebenfalls weitere Sets für ihre eigenen Wettbewerbe, unter anderem die folgenden.

Battle of Arklow (71)
Donegal Rambler (73)
Planxty Irwin (70)
Ri Laois (70)
The Little Heathy Hill (76)

Auch die kleineren Organisationen haben ihre eigenen Sets. Aber außer den von den Tanzorganisationen offiziell verwendeten existieren auch weitere traditionelle Tanzmusikstücke, deren rhythmische Überstruktur vom Acht-Takt-Schema abweicht und der Grundstruktur aus Step und Set folgt. Das deutet darauf hin, dass früher viel mehr Set Dances als heute üblich getanzt wurden. Diese traditionellen Stücke lassen sich für Set Dances verwenden, wodurch die alte, im Vergleich zum Wettkampftanz wesentlich reichhaltigere Tanztradition wieder aufgegriffen wird. Die folgenden Beispiele für solcherart nutzbare traditionelle Stücke sind keinesfalls vollständig.

Fanny Power
Planxty Kelly
Planxty Maquire
Planxty Power (ursprünglich "Mrs. Elisabeth Power", bekannt als "O'Carolan's Concerto")

Die Namen der verschiedenen Sets haben teilweise historisch-politische Hintergründe. So bezieht sich "The Orange Rogue" auf einen Orangeman, also einen der Gefolgsleute der Engländer, die sich vielfach gegenüber den anderen Iren sehr feindselig verhielten. "The Blackbird" ist ein Spitzname Bonnie Prince Charlies, der, obzwar Schotte, von den Iren geschätzt wurde, weil er versuchte, die Herrschaft der Engländer zu stürzen. Im selben Kontext sind die Napoleonischen Sets "Bonaparte's Retreat", "The Downfall of Paris" und "Madame Bonaparte", auch "Bonaparte's Advance" genannt, zu sehen, denn die Iren unterstützten Napoleons Kampf gegen England und verfolgten die französische Niederlage mit großem Bedauern.
Der Ursprung anderer Musikstücke wie "The Drunken Gauger" und "The White Blankets" ist dagegen eher aus dem Alltagsleben gegriffen. Stücke wie "Planxty Drury" und "Planxty Irwin" stammen von dem Harfen- und Dudelsackspieler Turlough O'Carolan. Planxty bedeutet soviel wie "Gute Gesundheit" oder "Viel Glück". O'Carolan schrieb viele Stücke für Freunde oder Gönner, deren oder Unterstützung Gastfreundschaft er auf diese Weise ehren wollte. Die Bezeichnung "Planxty" wurde allerdings erst nach O'Carolans Tod üblich. Er selbst benannte die Stücke einfach mit Personennamen, also beispielsweise "Mr. John Drury" und "Colonel John Irwin".

Irish Dance, Irish Dancing, Irischer Tanz
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Letzte Änderung: 1. Januar 2007 - © Kunst des Denkens 2003-2007
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