Set Dances werden von den Iren sehr gern getanzt. Es handelt sich dabei um Gesellschaftstänze, die nicht mit den gleichnamigen Solo Dances verwechselt werden dürfen und deshalb zur Unterscheidung von den Solo Set Dances auch als Social Set Dances bezeichnet werden. Verschiedene Regionen haben "ihre" eigenen Set Dances, die als Tradition stolz gepflegt werden, und zwar trotz der Tatsache, dass An Coimisiún diese Tanzform als "unirisch" verteufelt und bekämpft. Waren die Set Dances dadurch bis in die 60-er Jahre des 20. Jahrhunderts fast ausgelöscht worden, haben sie jetzt die Céilíthe, die Volkstanzfeste der Iren, wieder zurück erobert und verdrängen die eigentlichen Céilí Dances zunehmend auch in deren ursprünglichen Kerngebieten im Norden. Auf den offiziellen Wettbewerben von An Coimisiún sind sie aber immer noch streng verboten.
Set Dances werden meist zu Double Reels, Double Jigs, Polkas, Slides, Mazurkas und Hornpipes getanzt. Dabei wird jeweils eine Zusammenstellung mehrer Musikstücke, ein Set, verwendet, wobei zwischen den einzelnen Stücken, die teilweise unterschiedliche Rhythmen haben, kurze Pausen erfolgen. Ein Set Dance, kurz meist auch nur Set genannt, besteht deshalb eigentlich aus mehreren eigenständigen einzelnen Tänzen, in denen dann wiederum jeweils mehrere Figuren getanzt werden. Allerdings werden die Einzeltänze traditionell bereits selbst als Figuren oder Figures bezeichnet, was nicht mit den eigentlichen Figuren, den Einzelelementen der Tänze, verwechselt werden darf. Entgegen der allgemein üblichen Sprechweise wird in diesem Buch deshalb für die einzelnen Teiltänze nicht die Bezeichnung Figure verwendet, sondern sie werden als Sektionen oder Sections bezeichnet. Das muss unbedingt beachtet werden, wenn man sich mit anderen Set Dancers austauscht oder entsprechende Literatur liest. Ein Set enthält zwei bis neun Sections, also entsprechend First Section, Second Section und so weiter, längere Sets sind ungebräuchlich. Prinzipiell können einzelne Sections in einem Set weg gelassen und die Reihenfolge kann umgestellt werden. Und natürlich können Sets völlig neu zusammen gestellt werden. Die Variationsmöglichkeiten sind hier wieder recht groß und werden nur von der Frage eingeschränkt, wie nah man an den traditionellen Sets bleiben will.
Die meisten Set Dances werden von vier Tanzpaaren getanzt, die eine Quadratformation bilden, die dann verschiedene Umformungen durchläuft, stellen also Square Dances dar. Einige wenige Set Dances werden nur von zwei Paaren getanzt. Auch diese Vier-Paar- und Zwei-Paar-Konfigurationen werden Sets genannt, und zwar entsprechend Full Set und Half Set.
In Set Dances werden meist nur sehr wenige relativ einfache Schrittkombinationen getanzt, je nach Rhythmus des Tanzes ein bis vier verschiedene. Eine Reihe von Set Dances enthalten aber traditionell auch kompliziertere Schritte. Allgemein liegt die Wahl der Schrittkombinationen jedoch im Ermessen der Tänzer und kann den eigenen Fähigkeiten und Wünschen angepasst werden. Der Tanz erfolgt dabei relativ bodennah. Sprünge sind sehr niedrig und kurz, auf Ballenstand wird kein Wert gelegt, viele Motionen werden eher auf dem flachen Fuß getanzt. Feste Regeln gibt es hier allerdings nicht, sondern die Tänzer bewegen sich einfach ganz natürlich.
Das Tempo im Set Dancing ist relativ hoch und kann im Extrem für Reels bis 120 bpm, für Jigs bis 140 bpm und für Polkas sogar bis 160 bpm betragen. Wird viel Battering verwendet, wird das Tempo dagegen etwas herabgesetzt, so dass Hornpipes bei 104 bpm oder sogar beträchtlich langsamer getanzt werden.
Im einfachsten Fall werden Set Dances in einfachen Schuhen getanzt. Jedoch können auch Steppschritte verwendet werden, was hier Battering genannt wird. In diesem Fall sind natürlich Heavy Shoes möglich, speziell für Showzwecke, wenn auch unüblich, da selbst die komplizierteren Social Set Dances immer noch als Gesellschaftstänze verstanden werden, die von ganz normalen Leuten in ganz normaler Kleidung und natürlich mit ganz normalem Schuwerk getanzt werden.
Die ersten Set Dances, die in Irland größere Verbreitung fanden, werden Historical Set Dances genannt. Sie stellen die Urform der Social Set Dances dar und wurden zum Vorbild vieler weiterer Sets. Set Dances wurden zu Beginn nur von der gehobenen Gesellschaft getanzt. Aber obwohl sie teilweise direkt auf französische Quellen zurückgeführt wurden, wurden sie zu irischer Musik und mit irischen Schritten getanzt. Die damals üblichen französischen Bezeichnungen in zeitgenössischen Tanzbeschreibungen enthalten noch Bezeichnungen von Tanzschritten wie Jetté, Chassé und Balancé, so wie sie in den originalen französischen Quadrillen enthalten waren. Diese französischen Schritte wurden jedoch im irischen Set Dance nicht mehr verwendet, sondern durch irische Schritte ersetzt, während die Bezeichnungen aber noch beibehalten wurden. Nur von drei der zu Anfang des 19. Jahrhunderts bekannten Set Dances, wie sie in "Six Sets of Quadrilles" von Payne 1820 veröffentlicht wurden, sind schriftliche Beschreibungen überliefert. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Sets, wobei die Anzahl der Sections jeweils in Klammern angegeben ist.
First Set - The Paris Quadrilles (5)
Second Set - The Lancer Quadrilles (5)
Third Set - The Caledonian Quadrilles (5)
Da die überlieferten Tanzbeschreibungen jedoch nur aus wenigen unscharfen Begriffen bestehen, können diese Sets heute nicht mehr in ihrer originalen Form getanzt werden, sondern existieren nur noch in rekonstruierter Fassung. Für die Rekonstruktion lassen sich sowohl zeitgenössische Beschreibungen, als auch die Choreografien von jüngeren Sets, die sich aus diesen Originalen entwickelt haben, verwenden.
Als Traditional Set Dances werden diejenigen Sets bezeichnet, die bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in Irland als Gesellschaftstänze entstanden und getanzt wurden. Diese Sets wurden zwar von Tanzmeistern geschaffen, stellten aber bis zu ihrer Ausrottung lebendige Traditionen dar, die sich unorganisiert und spontan fortsetzten und erhielten.
Ein Teil der traditionellen Sets lässt sich auf die historischen Sets zurück führen. Während ihrer direkten Überlieferung wurden die historischen Sets von den Tanzmeistern und Tänzern ständig verändert und ihren Vorstellungen, Fähigkeiten und Wünschen angepasst. So entstanden viele lokale Varianten, die sich teilweise sehr weit von den Originalen entfernt haben und oft kaum noch Ähnlichkeiten miteinander aufweisen. Aus dem "First Set - The Paris Quadrilles" entwickelten sich unter anderem folgende Sets, wobei in Klammern jeweils die Gegend angegeben ist, in der sie beheimatet sind.
Corofin Plain Set (Corofin - County Clare)
Donegal Set (County Donegal)
Down Set (County Down)
Fermanagh Set (Beleek bis Belcoo - County Fermanagh)
Leitrim Set (County Leitrim)
Newmarket Plain Set (County Cork)
Plain Set - Polka Version (County Clare)
Plain Set - Reel Version (County Clare)
Valentia Right and Left (Valentia Island - County Kerry)
Die Sections 1, 2 und 4 des "First Set" finden sich außerdem in mehr oder weniger abgewandelter From in folgenden Sets, wobei in Klammern wiederum jeweils die Gegend angegeben ist, in der sie beheimatet sind.
Aran Set (Aran Islands - County Galway)
Cashel Set (County Tipperary)
Connemara Set (Connemara - County Galway)
Derradda Set (Derradda - County Mayo)
Dunmanway Set (Dunmanway - County Cork)
Durrow Threshing Set (Durrow - County Laois)
Newport Set (County Mayo)
Skibbereen Set (County Cork)
Auch in Schottland existieren Sets, die sich vom "First Set - The Paris Quadrilles" herleiten. Und auch vom "Second Set - The Lancer Quadrilles" existieren schottische Ableitungen, wie beispielsweise das "Student Lancer Set". Aus dem "Second Set" entwickelten sich unter anderem folgende irische Sets, wobei in Klammern jeweils die Gegend angegeben ist, in der sie beheimatet sind.
Clare Lancers (Crusheen - County Clare)
Down Lancers (County Down)
Keadue Lancers (Keadue - County Roscommon)
Melleray Lancers (County Waterford)
Roscommon Lancers (County Roscommon)
Slate Quarry Lancers (County Kilkenny)
South Sligo Lancers (Cloonacool - County Sligo)
Tipperary Lancers (County Tipperary)
Tubbercurry Lancers (Tubbercurry - County Sligo)
Aus dem "Third Set - The Caledonian Quadrilles" schließlich entwickelten sich unter anderem folgende Sets, wobei in Klammern jeweils die Gegend angegeben ist, in der sie beheimatet sind.
Clare Caledonian Set (West Clare - County Clare)
Down Caledonian Set (County Down)
Die Ähnlichkeit dieser Sets mit dem historischen Original und gegenseitig ist aber, im Gegensatz zu den ersten beiden historischen Sets, kaum noch erkennbar. Das in Schottland bekannte "Caledonian Set" ist hingegen nicht vom irischen "Third Set - The Caledonian Quadrilles" abgeleitet.
Über die Weiterentwicklung und Modifikation bereits bekannter Set Dances hinaus wurden von den Tanzmeistern auch völlig neue Sets für "ihre" Tänzer zusammen gestellt. Als Beispiele der großen Fülle seien hier nur folgende Sets genannt, wobei in Klammern jeweils die Gegend angegeben ist, in der sie beheimatet sind.
Black Valley Square Jig Set (Kenmare - County Kerry)
Mazurka Set (County Clare, County Galway)
Monaghan Set (County Monaghan)
Williamstown Set (County Galway, County Roscommon)
So entstand in eineinhalb Jahrhunderten eine Unzahl von Set Dances, die für verschiedene irische Regionen oder sogar nur einzelne Orte charakteristisch waren und schon bald als lokale Tradition geplegt und auch mit Stolz vorgeführt wurden. Während viele dieser Traditional Set Dances durch den Ban der irischen Tanzkommission in Vergessenheit gerieten, hat eine relativ große Zahl diese Zeit überlebt und wurde inzwischen aufgezeichnet.
Seit dem Wiederaufleben des Social Set Dancing werden auch wieder neue, moderne Sets oder Open Set Dances zusammengestellt. Das geschieht sowohl für Wettbewerbe und Aufführungen, als auch für spezielle Gelegenheiten wie Jahrestage oder Ehrungen. Dazu werden meist altbekannte Figuren verwendet, die in neuer Abfolge zusammengestellt werden. Gelegentlich werden aber auch neue Figuren entwickelt. Insgesamt bleiben die Choreografien dabei eng am traditionellen Vorbild. Viele Open Set Dances zeichnen sich durch relativ komplizierte Tanzschritte aus, da sie explizit für Wettbewerbe geschaffen werden, bei denen durch Komplexität Punkte gesammelt werden sollen. Dadurch sind solche Sets zwar oft interesanter, gehen aber stark vom Gesellschaftstanz weg und hin zum Sporttanz.
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Letzte Änderung: 1. Januar 2007 - © Kunst des Denkens 2003-2007
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