In druidischer Vorzeit war der Tanz ein religiöses Ritual. Die Druiden stellten daher gewissermaßen eine Organisation dar, die diese rituelle Tanzform pflegte und weitergab. Mit Beginn der Christianisierung im 4. Jahrhundert verschwanden die Druiden jedoch allmählich. Die neue christliche Kirche füllte das organisatorische Vakuum im Bereich des rituellen Tanzes jedoch nicht aus. Daher kam der irische Tanz in den folgenden etwa 1500 Jahren ohne jegliche Organisation aus und entwickelte sich prächtig. Mit der Etablierung der Tanzmeister und ihrer Wettbewerbskultur begannen sich jedoch im 19. Jahrhundert immer mehr organisatorische Strukturen herauszubilden, die letztlich auf eine Reglementierung des Tanzes abzielten. Waren Tanzveranstaltungen und Tanzwettbewerbe zuerst nur spontane, lokale Ereignisse, so bildeten sich immer mehr regionale Verflechtungen zwischen den Tanzschulen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann sich die irische Tanzbewegung schließlich landesweit zu organisieren.
1893 wurde die Gaelic League, An Conradh na Gaeilge, zur Pflege der irischen Kultur gegründet, die 1897 ihr erstes offizielles Feis abhielt - ironischerweise aber in London, im Herzen des Landes der englischen Besatzer, und nicht in Irland. An Conradh bemühte sich sehr, durch die Organisation von Wettbewerben in irischem Tanz, irischer Musik und irischer Sprache die erhaltene irische Kultur zu fördern und die verlorene wiederzubeleben. Dabei kam es aber auch zu starken nationalistischen Übertreibungen, in deren Folge An Conradh beispielsweise die als Set Dances bezeichneten Gesellschaftstänze für "unirisch" erklärte, weil sie zu sehr französisch beeinflusst seien. Das war eine direkte Beleidigung für die irischen Bauern in den Provinzen, die stolz auf "ihre" Sets waren. Aber An Conradh war vor allem das Kind irischer Intellektueller, die von der Kultur des Volkes idealisierte Vorstellungen hatten. Folglich besagten die Auffassungen eher, wie die irische Kultur ihrer Meinung nach sein sollte, als wie sie wirklich war. In den Städten und vor allem in den irischen Gemeinden in Britannien und den anderen irischen Auswanderungsländern gewann An Conradh aber schon bald beträchtlichen Einfluss und hatte bereits nach wenigen Jahren tausende Mitglieder. Hauptsächlich auf die Wiederbelebung der irischen Sprache gerichtet, organisierte An Conradh auch hunderte Tanzkurse, Tanzveranstaltungen und Tanzwettbewerbe in Irland, England, den USA und anderswo. Dabei wurden bestimmte Vorschriften zum Tanz selbst und zu den Kostümen umgesetzt, mit dem Ziel, die irische Tanzbewegung ihren Vorstellung entsprechend umzugestalten.
Bereits 1895 gründeten einige Tanzlehrer unabhängig von den Bemühungen von An Conradh die erste größere Tanzlehrervereinigung unter dem Namen Irish Dance Teachers Association. Anfang der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts gab es in der irischen Tanzbewegung schon mehrere regionale Tanzlehrervereinigungen. Das betraf nicht nur die größeren Städte Irlands, sondern auch die Auswanderungsgebiete, wie beispielsweise in Melbourne, Australien. 1925 schließlich wurde in Irland erstmals eine Tanzlehrervereinigung mit landesweitem Anspruch gegründet, wiederum unter dem Namen Irish Dance Teachers Association (I.D.T.A.), Irische Tanzlehrerassoziation.
Dieser Tendenz der irischen Tanzlehrer, sich zu organisieren, setzte An Conradh ihre eigene Organisation entgegen, um dem drohenden Einflussverlust zu begegnen. Dazu berief sie 1929 eine Irische Tanzkommission, englisch Irish Dancing Commission, irisch An Coimisiún le Rincí Gaelacha (C.L.R.G.), um den Zustand der ihrer Meinung nach von ausländischen Einflüssen bedrohten irischen Tanzbewegung zu untersuchen und Vorschläge zu deren Neuordnung zu unterbreiten. Von den 24 Mitgliedern der Kommission wurden sechs vom Exekutivrat und jeweils drei von den vier Provinzräten von An Conradh entsandt. Irish Music Society und Dublin Irish Dance Teachers Association konnten ebenfalls jeweils drei Mitglieder entsenden. Von den 24 Mitgliedern von An Coimisiún waren also nur drei Tanzexperten, die anderen nationalistische Kulturpolitiker. Diese Zusammensetzung, bei der der tänzerische Sachverstand weit hinter politischer Konformität zurücktrat, hatte wesentlichen Einfluss auf die Entscheidungen von An Coimisiún und auf die Entwicklung der irischen Tanzbewegung.
An Coimisiún erstellte einen Bericht über den Zustand der irischen Tanzbewegung und arbeitete Vorschläge für ein standardisiertes Prüfungs- und Wettbewerbssystem und für Regeln aus, die die Charakteristik des Irish Dance klar definieren und ihn so gegen alle ausländischen Einflüsse abgrenzen sollten. Dazu sollte ein Gremium geschaffen werden, dass alle Personen, die mit dem irischen Tanz zu tun hatten - Wettbewerbsorganisatoren, Wertungsrichter, Tanzlehrer und Tänzer gleichermaßen - seiner strengen Kontrolle unterwerfen und jegliche Abweichung von der Norm bestrafen sollte. Erstmals seit mehreren Jahrzehnten wurden in diesen Vorschlägen die Country Dances, nun Céilí Dances genannt, neben den Solo Dances wieder offiziell als irisches Erbe definiert, das speziell gefördert werden sollte. An Conradh, der diese Vorschläge auf ihrer Generalversammlung 1931 unterbreitet wurden, war begeistert von deren Radikalität und entschied, dass An Coimisiún selbst die richtige Einrichtung sei, diese in die Realität umzusetzen. An Coimisiún wurde so zu einer ständigen Einrichtung gemacht, die der Irischen Tanzlehrerassoziation ohne deren Zustimmung übergeordnet wurde. An Conradh hatte entschieden, An Coimisiún bestimmte, die I.D.T.A. hatte zu folgen. Diese Konstellation konnte natürlich nicht ohne Spannungen bleiben.
Bei ihrer Gründung als oberstes Kontroll- und Führungsgremium des Irish Dancing gehörten der irischen Tanzkommission 1931 neben den politischen Mitliedern 32 Tanzlehrer und 27 Wertungsrichter an. Schnell führte An Coimisiún Standards für Unterricht, Kostüme und Bewertung bei Wettbewerben ein. Die Tanzregeln wurden sehr streng formuliert, und Showelemente kamen nicht darin vor, was sich bis heute nicht verändert hat. Die Grundlage für die heute noch viel stärkere Bürokratisierung und Reglementierung war damit gelegt.
Die Unterordnung der Tanzlehrer und Tanzwettbewerbe unter An Coimisiún und die Durchsetzung bürokratischer Regeln für den Tanz beendete faktisch die Entwicklung des irischen Tanzes als freie Volkskultur. Das Irish Dancing wurde endgültig zu einem politisch bestimmten Sport, der dem Willen der Funktionäre zu folgen hatte, anstatt dass die Tänzer und Tanzlehrer wie in den Jahrtausenden zuvor selbst und frei bestimmten, was und wie sie tanzen wollten. Eine ganz andersartige und durchaus positive Folge der zunehmenden Organisation war es, dass um 1930 auch immer mehr Mädchen begannen, in die männliche Domäne des Irish Step Dance einzudringen und an den Wettbewerben teilzunehmen, so dass heute bei weitem mehr Mädchen als Jungs dort zu finden sind. Umgekehrt ist es hingegen den Männern erst in den letzten Jahren gelungen, den einzigen bisher fast rein weiblichen irischen Tanz, die Slip Jig, zu erobern.
Bei Gründung von An Coimisiún galt die Mitgliedschaft in der I.D.T.A. als offizielle Anerkennung als irischer Tanzlehrer. 1941 setzte An Coimisiún jedoch ein Zertifizierungssystem in Kraft, nach dem sich jeder neue Tanzlehrer und Wertungsrichter, der ab da zu offiziellen Wettbewerben zugelassen werden wollte, einer Prüfung direkt bei An Coimisiún unterziehen musste. Damit übernahm An Coimisiún die direkte Kontrolle darüber, wer offiziell als Tanzlehrer arbeiten durfte und wer nicht und drängte die Bedeutung der I.D.T.A. stark zurück. 1943 führte An Coimisiún Graduierungsprüfungen für Tänzer ein, um deren Leistungsniveau objektiv zu messen, vor allem aber, um sie besser auf die Linie der offiziellen Tanzauffassung auszurichten. Die I.D.T.A. hatte dabei kein Mitspracherecht, denn die Prüfungen wurden ausschließlich von den Prüfern oder Examiners von An Coimisiún abgenommen.
Trotz immer wieder laut werdender Unzufriedenheit und trotz Maßregelung einiger Tanzlehrer, die gegen die offizielle Linie aufbegehrten, bestand das Doppelsystem aus An Coimisiún und I.D.T.A. lange Zeit fort. Zu Beginn gehörten die meisten Tanzlehrer der I.D.T.A. an, nur wenige waren gleichzeitig Mitglied von An Coimisiún oder waren zumindest dort registriert. Erst mit Beginn der Zertifizierungen von An Coimisiún ab 1941 änderte sich das langsam. Die I.D.T.A. hielt jährliche Versammlungen ab, auf denen Vorschläge ausgearbeitet und an An Coimisiún übermittelt wurden. Die Entscheidungen über ihre Verwirklichung blieben jedoch allein An Coimisiún vorbehalten, die sich jeder demokratischen Einflussnahme entzog. Das Übergewicht der Politik gegenüber dem tänzerischen Sachverstand glich sich daher über die Zeit hin nicht aus, sondern An Coimisiún war bestrebt, den Einfluss und die Eigenständigkeit der I.D.T.A. immer weiter zu beschneiden.
1969 schließlich brachen die inzwischen ernsthaften politischen Differenzen zwischen der Kommission und der Tanzlehrervereinigung offen aus. Daher wollte An Coimisiún die Machtfrage endgültig klären und verlangte von den Tanzlehrern, die bisher zwar Mitglied der I.D.T.A., aber nicht bei An Coimisiún registriert waren, sich nun auch direkt An Coimisiún zu unterstellen. Eine große Zahl von Tanzlehrern wollte die faktische Kaltstellung ihrer Organisation jedoch nicht hinnehmen, und so beschlossen die Gegner der Unterordnung, die Zusammenarbeit mit An Coimisiún aufzukündigen. So wurde die I.D.T.A. als Kongress der Irischen Tanzlehrer, englisch Congress of Irish Dance Teachers, irisch An Comhdháil na Múinteoiri le Rinci Gaelacha [Én 'ko:Òa:l na 'mu:nto:rÉ lÉ 'riñkì 'ge:lÉxÉ, wieder zu einer eigenständigen Organisation mit Zweigen in Irland, England und Schottland. Auch das einheitliche Wettbewerbssystem brach in zwei Teile, wobei beide Organisationen die Teilnahme von Schülern nicht mit ihr assoziierter Tanzschulen ausschlossen. An Comhdháil führte nun eigene Prüfungen für angehende Tanzlehrer und Wertungsrichter ein und vergab eigene Lizensen, die die gleichen Abkürzungen für Tanzlehrer - T.C.R.G. - und Wertungsrichter - A.D.C.R.G. - trugen, wie bei An Coimisiún.
In Irland entbrannte daraufhin ein heftiger Kampf darüber, wer die "wahre" traditionelle Tanzorganisation sei, was der irischen Tanzbewegung großen Schaden zufügte. Im Gegensatz zu An Comhdháil reichte der Einfluss von An Coimisiún aber weit über Irland hinaus, während die Spaltung vorwiegend auf Irland und Britannien beschränkt blieb. Deshalb konnte An Coimisiún ihre Position in den 80er und vor allem in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts entscheidend ausbauen, obwohl sich in diesen Jahren einige weitere kleinere Tanzorganisationen von ihr, aber auch von An Comhdháil, abspalteten.
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Letzte Änderung: 1. Januar 2007 - © Kunst des Denkens 2003-2007
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